Veröffentlicht: Donnerstag, 11. Oktober 2018 10:41
Luchs CHARLIE bei der Untersuchung
Donnerstag, 11. 10. 2018: In den frühen Morgenstunden wurde Luchs CHARLIE immobilisiert und veterinärmedizinisch untersucht. Grund für den Einsatz waren die Beobachtungen der letzten Tage, die zeigten, dass CHARLIE nicht in der Lage war, zu urinieren. Zunächst wurde er durch oral verabreichte Medikamente behandelt. Da allerdings keine Besserung festzustellen war, wurde die Untersuchung durch den Tierarzt heute, knapp zwei Stunden vor Parköffnung, angesetzt. Nachdem die Blase entleert, gespült, Urin- und Blutproben entnommen wurden, befindet sich CHARLIE aktuell in der Eingewöhnungsstation zur Überwachung. Zudem wurde er mit Antibiotika versorgt.
Die Proben werden ins Labor geschickt für eine histologische Analyse. Sobald die Ergebnisse vorliegen, kann eine gezielte Behandlung erfolgen.
Liebt es im Wald nach Bucheckern zu stöbern: DAGGI
Dem verstörenden Rampenlicht der Manege konnte sie zwar entgehen, das Leben im Zirkuswagen blieb ihr leider nicht erspart. 2007 in einem Zoo geboren, wurde sie noch im Welpenalter ihrer Mutter entrissen und an eine Dompteurin gegeben. Doch DAGGI ließ sich nicht dressieren, verweigerte die qualvollen „Kunststücke.“ Daraufhin wartete ein Leben im Käfig auf sie. Nach Umwegen über Sardinien und den Niederlanden kam sie schließlich in den Bärenwald zu uns nach Thüringen.
Hier ist sie die jüngste Bärendame und legt keinen Wert auf großes Aufsehen. Nachdem sie anfänglich mit der Betriebsältesten LAURA hin und wieder in Disput geraten war, hat sich das Verhältnis auf neutraler Ebene harmonisiert. Mit Neuankömmling PARDO [Anfang 2018] wird sie hingegen hin und wieder spielend beobachtet. Einzig MAX kann sie nicht wirklich riechen. Alles in allen fühlt sich die einstige Zirkusbärin sehr wohl im ALTERNATIVEN BÄRENPARK WORBIS, bereitet sich derweilen auf die Winterruhe vor. Dahingehend gehört es schon seit ihrem ersten Herbst in Thüringen zu ihrer Lieblingstätigkeit, sich auf die Suche nach Bucheckern zu machen. Mit größer Hingabe stöbert DAGGI dieser Tage die Nüsse auf und frisst sie. Und davon gibt es reichlich bei uns im Bärenwald.
Nach fast 30 Jahren Misshandlung endlich Bär sein: KAJA
Beide Tatzen auf dem Lenker gebunden, ein Maulkorb fixiert den Kopf dazwischen, ein Bein unten am Roller festgezurrt, das andere ist nur frei, um Schwung zu holen, daneben Peitschenhiebe und ein Publikum, dass klatscht und jubelt – eine schreckliche Vorstellung, doch fast 30 Jahre lang der Alltag von KAJA. Und dies war nur eines der „Kunststückchen“ mir denen sie für die Manege misshandelt wurde, wenn sie nicht in einem 4x4 Meter kleinen Käfig auf einem Zirkuswagen vegetieren musste. An natürliche, gesunde Ernährung oder Winterruhe gar nicht zu denken. Als Welpe in einem italienischen Zoo geboren, wurde sie mit ihren beiden Geschwistern illegal an einen Zirkus verkauft. Dies fiel all die Jahre nicht auf, bis die Vierbeiner eines nachts ausbrachen und durch einen Polizeieinsatz gestellt wurden. Eine der Bärinnen kam dabei zu Tode, die anderen zwei wurden von der STIFTUNG für BÄREN übernommen. Erst im hohen Alter, praktisch als Bären-Oma, durfte KAJA in unseren großen Freianlagen nun endlich das machen, was ihr am besten gefällt: Bär sein.
Sie ist der lebende Beweis dafür, dass ehemalige Zirkustiere weder die Manege, noch ihre Peiniger und schon gar nicht ihre Auftritte vermissen. Im Gegenteil, KAJA genießt es voll und ganz eine Bärin zu sein. Leider ist sie sehr auf Menschen geprägt. Schenken ihr Zweibeiner ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, beginnt sie zu stereotypieren, läuft die 4x4 Meter ihres alten Zirkuswagen auf und ab. Gerade daher tut ihr das Zusammenleben mit andern Bären oder auch Wölfen, gar Luchsen gut – es lockert die Ketten ihrer Vergangenheit. JURKA, zum Beispiel, lief eines Tages an ihr vorbei, als sie schnaubend ihre stereotypen Kreise zog, beobachtete die Szene einen Moment lang. Dann näherte sie sich KAJA und stellte sich ihr energisch in den Weg. Interaktionen diese Art sind genau das, was KAJA aus ihrem Wahn zieht. Allerdings wird sie es wohl nie ganz loswerden können. Doch in den letzten Wochen sind ihre Anfälle deutlich zurückgegangen. Momentan bereitet sie sich intensiv auf die Winterruhe vor. Mit großem Tatendrang frisst sie sich den nötigen Winterspeck an und macht dabei eine tolle Figur. Wort wörtlich zu nehmen, denn ihre Statur sieht wirklich gut aus.
Ciao und Grüß Gott, liebe Leute! Na, habt ihr schon Pläne für den Feiertag? So eine freie „Insel“ in der Mitte der Arbeitswoche ist doch was Feines, oder? Ist doch eine gute Gelegenheit, ein wenig auf Beobachtungstour in den Bärenpark zu kommen. Ihr werdet erstaunt sein, wie erwachsen sich ARIAN, AGONIS und ARTHOS mittlerweile fühlen. Allen voran Letzterer kann es wohl kaum erwarten, endlich ein ganz großer zu sein. In letzter Zeit schaut er mich, eure feurige JURKA, hin und wieder mit so einem seltsamen Unterton im Blick an.
Jedenfalls, die Tage werden kürzer und die Zeit knapper bis zum Winter, was für uns Bären so viel heißt wie, mit Vollgas gegen den Kohldampf!
Übrigens, beim Thema Fressen möchte ich in Hinblick auf den kommenden Welttierschutztag am Donnerstag, den 4. Oktober, ein paar Worte loswerden. Wisst ihr eigentlich, dass der Grund, weshalb ich eingefangen wurde darin liegt, dass man mich damals angefüttert hat? Ja, so wurde ich zum so genannten Problembär. Leider ist es ein Schicksal, welches noch vielen Bären in der Wildnis droht, denn die Sensationslust nach uns Wildtieren ist immer noch eine Gefahr. Denn wir werden angelockt, um angeschaut zu werden. Und wenn wir dann da sind, werden wir zum Problem. Also, auch wenn ihr im Urlaub seid, lasst die Rote im Rucksack und uns Vierbeiner in Ruhe, dann gibt’s auch keinen Stress.
In diesem Sinne, passt auf euch auf und haltet die Ohren steif!
Veröffentlicht: Donnerstag, 04. Oktober 2018 14:00
Bären werden auch in freier Wildbahn oftmals für touristische Zwecke missbraucht
Gute Tarnung, detailliertes Wissen und unendliche Geduld sind notwendig, um Wildtiere in ihrer natürlichen Umgebung zu fotografieren. Selbst erfahrene Profifotografen brauchen oftmals Jahre und Glück, um faszinierende Augenblicke wilder Natur festhalten zu können. Dazu müssen sie selbst fast gänzlich in die Wildnis eintauchen, ein Teil von ihr werden, gar in ihr verschwinden, damit die scheuen Tiere sich in ihre Nähe wagen. Und vor allem dürfen sie sich keine Fehler erlauben. Meist reicht bereits eine kleine, unachtsame Bewegung, die Wolf, Luchs oder Bär verjagt.
Kurz gesagt – einfach mal eben ein Foto von einem wilden Wolf für das Urlaubsalbum machen ist unmöglich.
Doch in Zeiten des radikalen Tourismus und der Ausbeutung der Wildnis, wird genau damit geworben. Fototouren in die Gebiete der großen Beutegreifer werden in praktischen Komplettpaketen angeboten. Doch kaum jemand bezahlt hohe Reisekosten, ohne das begehrte Foto von Bär oder Wolf wirklich schießen zu können. Genau das wissen auch die Reiseveranstalter und daher werden die Tiere durch Futter angelockt. In der Wildnis gilt es zu überleben. Für die Prädatoren ist es einfach und effektiv, das Nahrungsangebot anzunehmen, dass von den Reise-Veranstaltern ausgelegt wird. Je mehr angeboten wird, desto mehr gewöhnen sich Wolf, Bär und Co daran, ebenso wie an die Zweibeiner selbst. Konsequenz: Die natürliche Scheu der Tiere vor dem Menschen nimmt ab, sie laufen vor die Kamera und Touristen sowie Veranstalter sind zufrieden. Doch was zunächst wie ein Gewinn für alle Beteiligten scheint, kann zu einer Katastrophe führen.
Juni 2018, Polen: zwei Kinder werden von einem freilaufenden Raubtier in die Beine gebissen. Das Tier wird erschossen. DNA-Proben bestätigen: es war ein Wolf. Solch ein Fall ist statistisch gesehen seltener als ein Blitzschlag oder Lottogewinn, dennoch schürt es die prekäre Debatte um den Schutzstatus des Wolfs. Ist er wirklich gefährlich? Wer ist schuld an diesem Zwischenfall? Das besagte Tier wurde bereits Wochen zuvor in Hinterhöfen auf der Suche nach Futter beobachtet, auf Abfall konditioniert.
Auch einige deutsche Unternehmen wie etwa „Naturblick“ bieten Fotoreisen an, werben sogar mit der Anzahl der bereits unternommenen Reisen. Kurios? Fragwürdig? Produktion von Problemtieren? Ein klares JA, aber auch legal. Leider.
Der schnelle Schnappschuss für einen Hobbyfotografen dauert nur wenige Augenblicke, das Foto wird vielleicht ein paar Mal gezeigt. Aber für das Tier bedeutet der menschliche Fotospaß nicht selten der Tod. Auch der bekannte „Problembär“ BRUNO war seiner Zeit Opfer solch touristischer Lockung. Ebenso seine Mutter JURKA, die heute im ALTERNATIVEN WOLF- und BÄRENPARK SCHWARZWALD lebt.
Am heutigen Welttierschutztag möchten wir, die STIFTUNG für BÄREN, daher dringend darauf aufmerksam machen, von solchen Reisen Abstand zunehmen. Die Welt der Wildtiere ist kein Spaß, es ist kein Freizeitpark. Sie sollte von Touristen respektiert und geachtet, idealerweise gemieden werden. Wir schließen unsere Häuser ab, zäunen Grundstücke ein und warum? Weil wir nicht wollen, dass uns jemand zuhause belästigt. Und genau das ist das mindeste, was wir auch den Wildtieren lassen sollten.
Am 6. und 7. Oktober 2018, jeweils von 10 – 17 Uhr, öffnen sich in Essen die Tore zur Euro Teddy, dem großen Herbsttreffen der Bärenfans. Der Stand des ALTERNATIVEN BÄRENPARK WORBIS ist wieder an altbekannter Stelle im Untergeschoss (Eingang 1) zu finden und unsere Ehrenamtler, Hermann Jakobs und Eva Steinbeck-Jakobs, haben allerlei zum Schauen, Stöbern und Kaufen im Gepäck:
Schirme mit Bären-, Rucksäcke mit Wolfs-Motiv, Becher, Kugelschreiber, Honig, Halsbänder mit Anhänger, Leinentaschen, Bärenfurz-Likör etc. und mit Blick auf das Jahr 2019 druckfrische Kalender sowie die beliebten Sammlerbuttons und Kühlschrankmagnete. Außerdem werden die beiden Hobbyfotografen zum Andenken an die wunderbare EMMA einige ihrer schönsten EMMA-Fotos zum Verkauf zugunsten des Bärenparks Worbis anbieten.
Wie in den Vorjahren ist der Messeauftritt für den Alternativen Bärenpark Worbis völlig kostenfrei, da alle Ausgaben von Tierfreunden bezahlt und sämtliche Einnahmen zu 100 % dem Thüringer Tierschutzprojekt der STIFTUNG für BÄREN zugutekommt!
Wo? Messe Essen, Norbertstr. 2, 45131 Essen
Weitere Informationen finden Sie unter euro-teddy.de
Unsere Ehrenamtler würden sich über zahlreiches Erscheinen von Altbekannten wie auch Neuinteressierten des Parks riesig freuen.
2005 wurde er in einem Freizeitpark geboren. Zwölf Jahre lang, praktisch sein ganzes Leben, verbrachte er in unzumutbaren Verhältnissen, karger Boden, keine Rückzugsmöglichkeiten, ständig im Blickfeld der Touristen und neben einer Achterbahn. Die letzten anderthalb Jahre musste MILAN auch noch alleine sein Dasein fristen, weil er aus dem vorhanden Rudel heraus gebissen wurde. Ein Rudel aus mehreren Generationen vegetierte auf diese Weise vor sich hin. Bis zum Frühjahr 2017, als wir von dem TV Format hundkatzemaus um Hilfe gebeten wurden und dem auch unverzüglich nachgingen. So konnten die insgesamt sieben Wölfe aus dem Freizeitpark gerettet und in unsere naturnahen Freianlagen verbracht werden. Die sechs jüngeren Wölfe kamen in unser Projekt im Schwarzwald, MILAN hier her nach Worbis.
Wir gaben ihn den Namen MILAN, weil es übersetzt aus dem Altslawischen so viel bedeutet wie, der „Freundliche“. Und wenn es einen Vierbeiner gibt, der seinem Namen gerecht wird, dann dieser. Gemeinsam mit den alten Zirkusbären JIMMY und KATJA sowie mit der Grauwölfin MINA lebt er in der Seniorenresidenz. Dankbar über seine wohlverdiente Ruhe ist er den anderen Vierbeinern gegenüber neutral eingestellt, am liebsten umgeht er Konflikten, wenn denn möglich. Der träge JIMMY und die gelassene KATJA pflichten ihm da in der Regel bei, einzig Altwölfin MINA zeigt, dass auch ein betagter Vierbeiner durchaus sportlich unterwegs sein kann. Anfänglich noch zurückgezogen und ängstlich, ist es ihr zu verdanken, dass der gute MILAN mittlerweile anfängt und seinen Wolf steht. Dass er am Eingang seiner Höhle bereits von MINA gestellt wird nimmt er nun nicht mehr einfach hin. Nein, er entwickelt sich, entdeckt Schritt für Schritt das Wildtier in sich und bietet ihr durchaus Paroli. Er ist der Beweis, dass Freundlichkeit nicht als Schwäche gewertet werden darf. Schön, dass MILAN allmählich das sein kann, was er schon immer sein sollte: ein Wolf.
Sie blickt von den höchsten Fichten über den Schwarzwald und träumt einfach von der Ferne. Die großen Freianlagen, die für SCHAPI, BEN und Co das Schönste bedeuten, was ihnen im Leben widerfahren ist, markieren für diese Bärin die letzte Station eines tragischen Leidensweges. Als Welpe kam sie in den Wäldern ihrer slowenischen Heimat auf die Welt, in dem Tal, nachdem sie später benannt werden sollte – JURKA. In jungen Jahren wurde sie eingefangen und im Rahmen des Life Ursus Projekts zur Stärkung der Braunbärenpopulation in Norditalien wieder freigelassen. Doch nur wenige Jahre sollten ihr in Freiheit vergönnt bleiben. Durch sensationsgesteuerte Menschen angelockt, verlor sie die natürliche Scheu vor den Zweibeiner, wurde daraufhin als Problembär deklariert, wie ihr Sohn auch. Der gerade Mal zweieinhalb Jahre alte Jungbär erlangte traurige Berühmtheit als BRUNO, der 2006 in Bayern erschossen wurde. JURKA hingegen kam in Gefangenschaft, musste unter anderem in einem Bärengraben eines Klosters leben, bevor sie zu uns in den Schwarzwald kam.
Mit ihrer Ankunft im August 2010 begann ein neues Kapitel des nachhaltigen Tierschutzes, denn sie war der erste Bär im ALTERNATIVEN WOLF- und BÄRENPARK SCHWARZWALD. Seitdem sind einige Vierbeiner hinzugekommen. Momentan lebt sie zusammen mit dem Klottener Wolfsrudel in der großen Freianlage, so wie mit SCHAPI und den zwei Halbstarken AGONIS, ARIAN und ARTHOS. Besonders letzterer wird in der vergangenen Zeit des Öfteren in ihrer Nähe beobachtet. Fast Schnauze an Schnauze fressen sie gemeinsam den nahenden Winter entgegen. Mit ihrer wilden, temperamentvollen Art hält sie sowohl unser Team als auch die anderen Tiere auf Trab. Wenn sie nicht gerade den Stromzaun mit Stöcken manipuliert, buddelt, klettert oder Weidezäune aushebelt, scheucht die Wölfe durchs Dickicht und zeigt den stürmischen Jungbären wo es langgeht. Und nicht selten holt sie andere Bären aus stereotypen Verhalten raus. Sie zu sehen ist eine Freude, aber zugleich von Trauer begleitet. Denn ein Wildtier wie sie ist nicht auf menschliche Führsorge angewiesen. Sie ist der lebende Beweis, dass Bären nicht hinter Gitter gehören.
Veröffentlicht: Donnerstag, 27. September 2018 17:20
LIFE WITH BEARS – 26th INTERNATIONAL CONFERENCE ON BEAR REASEARCH AND MANAGEMENT
Ein Wildtiermanagement zulassen, das auch umsetzbar und praktikabel ist Über 250 Bärenexperten trafen sich eine Woche lang in Ljubljana. Aktuelle Forschungsberichte und technische Fortschritte wurden präsentiert. Ergebnisse liefern praxisorientierte Ansätze auch im Umgang mit Wolf und Luchs.
LEINEFELDE-WORBIS/BAD RIPPOLDSAU-SCHAPBACH. Die STIFTUNG für BÄREN war Teilnehmer einer internationalen Konferenz in Ljubljana, Slowenien, ausgerichtet von der International Association for Bear Research and Management (IBA). Weit mehr als 250 der führenden Wissenschftler_Innen und Manager_Innen im Bereich Bär-Mensch-Interaktionen kamen zusammen. Die vorgestellten Ergebnisse mit dem Schwerpunkt Zusammenleben von Mensch und Bär in von Menschen dominierten und politisch fragmentierten Landschaften zeigten wichtige praktische Hinweise für das Bärenerwartungsland Deutschland. Doch zahlreiche Fallstudien geben ebenso wichtige Aufschlüsse im Umgang mit Wolf und Luchs, also den bereits heimischen Beutegreifern.
Bernd Nonnenmacher, Parkleiter im ALTERNATIVEN WOLF- und BÄRENPARK SCHWARZWALD: „Bei genauerer Auswertung der Risse durch Prädatoren stellt sich heraus, dass das Errichten von Elektrozäunen allein nicht für ausreichend Schutz sorgt. Zum einen bilden Herdenschutzhunde einen wichtigen Faktor zum Schutz der Nutztiere, zum anderen ist es elementar mit den Betroffenen direkt zusammen zu arbeiten. Intelligente Wildtiere wie der Wolf sind nicht mit geeichten Richtlinien zu überlisten, sondern es gilt, jeden Fall individuell zu betreuen.“
WIE SOLL DAS GEHEN? Die STIFTUNG für BÄREN organisiert selbst eine Internationale Wildtierkonferenz im Oktober dieses Jahres, unter der Schirmherrschaft vom Thüringer Umweltministerium. Ziel dabei ist, Wege zu finden, um Nutztiere ausreichenden schützen zu können und gleichzeitig dem Artenschutz tolerant gegenüberzustehen. Dazu ist auch eine praktische Zusammenarbeit auf internationaler Ebene unumgänglich.
Rüdiger Schmiedel, Geschäftsführer der STIFTUNG für BÄREN: „Im Gegensatz zu Kontinenten wie Asien beispielsweise, hat Europa keine geographischen Grenzen, sondern gesellschaftliche. Heimisch bedeutet für Wolf, Luchs und Bär nicht Deutschland oder Schweiz, sondern Europa. Und auf dieser Ebene muss auch agiert werden. Ein wirkungsvolles Wildtiermanagement kann nur mit internationalen Praktikern und einheitlichen Managementplänen umgesetzt werden.“
Nach dem tragischen Zwischenfall 2006 in Bayern, als der Braunbär Bruno abgeschossen wurde, war es Anliegen der STIFTUNG, ein internationales Netzwerk nicht nur aufzubauen, sondern auch einsatzfähig zu machen. Die Wildtierkonferenz im Oktober 2018 soll an dieses Vorhaben nicht nur anknüpfen, sondern auch gleichzeitig den Beginn einer Weiterentwicklung der Projekte der STIFTUNG einleiten. Fokus liegt dabei auf dem Ausbau von Kompetenzzentren und Einsatzteams.
HINTERGRÜNDE
IBA: Die International Association for Bear Research and Management ist eine gemeinnützige Organisation für Biologen, Wildtiermanager und andere, die zum Schutz der verschiedenen Bärenarten in der ganzen Welt arbeiten. Die Organisation hat über 550 Mitglieder aus über 50 Ländern, die STIFTUNG für BÄREN ist Mitglied dieser Organisation.
LIFE WITH BEARS – 26th INTERNATIONAL CONFERENCE ON BEAR REASEARCH AND MANAGEMENT Im Rahmen des LIFE DINALP BEAR Projekts fand eine internationale Bärenkonferenz in Ljubljana Ende September statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Universität Ljubljana, der slowenischen Forstverwaltung und der IBA.
Man vermutet eine aktuelle Population der großen Beutegreifer in Europa von: Wolf – 17.000, Luchs – 9.000, Bär – 16.000.
Veröffentlicht: Donnerstag, 27. September 2018 11:11
Bärenkalender 2019 - mit vielen Bär- und Wolf-Motiven
Wir danken für Ihr Verständnis, dass er in diesem Jahr etwas verspätet veröffentlicht wurde. Doch die Geduld hat sich ausgezahlt. Auch 2019 werden Sie einzigartige Bilder unserer beliebten Vierbeiner durch die Monate begleiten.
Ganz großes Lob und vielen herzlichen Dank an die leidenschaftlichen Tierfreundinnen und Tierfreunde, die uns ihre Fotos kostenlos zur Verfügung gestellt haben.
Leider hat es die Witterung dieses Jahr unseren Fotografen nicht gerade leichtgemacht, daher gab es im Vergleich relativ wenige Fotoeinsendungen. Umso mehr freuen wir uns schon auf die tollen Aufnahmen für die nächste Saison!