Zoo, rück in die Zukunft

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Der Zoo - Begegnungsstätte zwischen Mensch & Natur oder Symbol für Kontrollzwang? Seit über 40 Jahren wächst die Kritik an der Institution Zoo. Seitdem wurden viele Neuerungen etabliert, besonders die großen zoologischen Gärten lassen sich Imagepflege in Millionenhöhe kosten. In der Werbung heißt es, Zoos sind Orte der Erholung, der Bildung, der Forschung und nicht zuletzt des Artenschutzes. Schließlich schützt man das, so heißt es, was man kennt. 

Dies versprechen moderne Zoos, doch was ist dran? Werfen wir einen Blick in das Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG):

§ 42 Zoos: Zoos sind dauerhafte Einrichtungen, in denen lebende Tiere wild lebender Arten zwecks Zurschaustellung während eines Zeitraumes von mindestens sieben Tagen im Jahr gehalten werden.

Und genau so ist es. Dieser Text beschreibt die Institution Zoo perfekt. Die Idee eines Zoos war und ist immer, Tiere aus der Wildnis auszustellen, um sie in Gefangenschaft anzusehen, ohne in die Natur gehen zu müssen. Punkt. Nun wuchs aber in den 80ern durch Philosophen wie Peter Singer die Kritik an der Haltung von Wildtieren, weil den Tieren zunehmende Fähigkeiten zugestanden wurden, Gefühle wie Angst, Trauer, Zuneigung, familiäre Bindung. In diesem Zusammenhang klinkt sich die Moral ein und wirft die Frage auf, wo fängt Tierleid an? Welche Rechte dürfen wir Menschen den Tieren zugestehen?

Mit wachsender Empathie gegenüber Tieren auf der einen und dem Washingtoner Artenschutzabkommen auf der anderen Seite kam die Institution Zoo in Handlungszwang. Das Image wurde poliert, die Wichtigkeit als kulturelle Begegnungsstätte gefestigt.

Doch die Kritik verstummt nicht. Im Gegenteil. Die Fakten, die nahelegen, das System Zoo grundlegend zu modernisieren oder auslaufen zu lassen überwiegen der Rechtfertigung, daran festzuhalten. Aber genau hier liegt der entscheidende Faktor: Zoos sind keine wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, sondern Wirtschaftsbetriebe, die mit einer sehr beliebten Ware handeln: Tieren. Die Debatte über das Modell Zoo kann nicht auf faktischer Ebene geführt werden, sondern auf einer soziokulturellen. Und um die Zukunft von Zoos und Tierparks zu retten, müssen die Einrichtungen im Grunde genau das werden, was sie eigentlich schon immer von sich behaupten: eine Begegnungsstätte zwischen Mensch und Natur.

Wie das gehen kann, warum das aktuell nicht der Fall ist und wie aus Alternativen zum Zoo Visionen für die Zukunft werden können, darum geht es in diesem Beitrag. 

INHALTSVERZEICHNIS

1 – Geschichte
2 – Probleme
3 – Zukunft Zoo
4 - Fazit

1 – Geschichte

Beginnen wir zunächst mit einem kompakten Ausflug in die Geschichte. Wo kommen Zoos eigentlich her?

Schon vor über 5000 Jahren hielten Hochkulturen von einst wilde Tiere in Gefangenschaft. In China oder Ägypten hielten Adlige Wildtiere aus verschiedenen Gründen, z.B. weil sie an diverse Tiergottheiten glaubten. In Europa spielten Wildtiere bei den alten Römern eine zentrale Rolle, da sie allen voran in den Arenen für Schaukämpfe eingesetzt wurden. Der Verband der zoologischen Gärten schreibt, dass allein bei der Eröffnung des großen Kolosseums 80 n. Chr. circa 5.000 Tiere starben. Zahlreiche Amphitheater entstanden im Römischen Reich, auch in Deutschland. Mit dem Untergang der Römer gingen auch die Wildtierhaltungen unter.

Eine wichtige Rolle spielte die Haltung von Wildtieren im antiken Rom – für kulinarische Zwecke aber auch für Schaukämpfe in Arenen. Löwen, Hyänen, Leoparden, Giraffen und Nashörner wurden zur Schau gestellt und oftmals getötet: Allein etwa 5.000 Tiere starben, als das Kolosseum in Rom 80 n. Chr. eröffnet wurde. Auch nördlich der Alpen errichteten die Römer Amphitheater - in Deutschland z.B. in Köln, Mainz, Trier und Xanten. Mit dem Untergang des römischen Reiches verschwanden für lange Zeit fast alle exotischen Großtiere aus Europa.

Als das finstere Kapitel des Mittelalters begann, kam es im Rahmen der Kreuzzüge zur massiven Einfuhr von Wildtieren. In Menagerien, sozusagen den Urzoos, wurden diese von Adeligen gehalten. Meist auf direkt auf deren Anwesen, im Schlossgarten, Parks, Burg- bzw. Schlossgräben. Dies diente dem Vergnügen, allen voran war es jedoch eine Demonstration von Macht.

Anmerkung:

Die heutige Handhabe von Pandas ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass auch aktuell Tiere Macht und Wohlstand repräsentieren und beliebte politische Geschenke sind.

König Ludwig XIV kreierte am Schloss von Versailles mit seiner Menagerie eine Art Archetyp für zahlreiche höfische Haltungen. In der Mitte thront ein Lustschloss, davon ausgehend gab es sieben Tiergehege in Strahlenform. Der 1752 eröffnete Tiergarten Schönbrunn, Wien (gilt als ältester noch existierender Zoo der Welt), und orientierte sich an diesem Vorbild. 1779 wurde jene Frühversion eines Zoos unentgeltlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1828 eröffnete der Zoo in London. Der Verband zoologischer Gärten betitelt dies als ersten einer neuen Generation, denn nun seien sie Stätten der Erholung und der naturkundlichen Volksbildung. So entstand in London der erste s.g. Zoologische Garten, eine Ansammlung von Tieren für wissenschaftliche Studien. 1844 folgte mit Berlin der erste deutsche Zoo, 1874 in Basel der erste Zoo der Schweiz. Eine Erfolgsgeschichte brach an. Die neuen Konzepte fungierten als eine Art Gegenentwurf der Menagerien und fürstlichen Tierparks, Bildung und Erholung, statt Demonstration von Macht und Reichtum.
Um dem Bildungsanspruch gerecht zu werden, entstanden regelrechte Käfiglandschaften, denn die Artenvielfalt sollte möglichst ganzheitlich dargestellt werden. Dies war zudem die Zeit, in der die Städte zunehmend größer und voller wurden, Erholung an Beliebtheit gewann. 

HINTERGRUND FAKT

Winnie Puh basiert auf den Beobachtungen eines im Zoo lebenden Bären. Winnie Puh ist ein Bär, der nie auf allen Vieren läuft, leicht dümmlich ist und gelb.

Anfang des 20. Jahrhunderts begann die Ära Hagenbeck. Die Grundpfeiler für das heutige Verständnis moderner Zurschaustellung von Tieren wurden 1907 in Hamburg und 1911 in München gelegt. Die Idee: barrierefreies Beobachten durch das Weglassen von Zäunen und Mauern. Hinzu kommt die Inszenierung durch Kulissen.

Das änderte sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Neue Konzepte der Tiergärtnerei wurden entwickelt und umgesetzt. Vorreiter hinsichtlich der Tierpräsentation im modernen Sinne sind in Deutschland die beiden Tierparks Hagenbeck in Hamburg, gegründet 1907, und Hellabrunn in München, gegründet 1911. Durch den Nachbau natürlicher Lebensräume, Landschaftsbau und geographische Themenbereiche, dem s.g. Geozoo. Dieses Konzept setzte sich im Laufe der letzten Hundert Jahre durch und begründet im Prinzip das Verständnis von Zoos, das heute geläufig ist.

HINTERGRUND FAKT

Die Planwirtschaft der DDR legte einen Zoo pro Bezirk fest. Zahlreiche Heimattiergärten entstanden dadurch. So entstand auch der Tierpark im Eichsfeld, aus dem 1996 der Alternative Bärenpark Worbis wurde.

Heini Hediger gilt als Begründer der Tiergartenbiologie. Dieses zielt darauf ab, Wissen in Zoos zu sammeln und zu veröffentlichen. So entstanden auch die vier dogmatischen Grundsätze, die heute das Format Zoo rechtfertigen: Erholung, Bildung, Forschung und Naturschutz.
Heute inszenieren sich Zoos als Einrichtung, die einen wichtigen Teil für den Artenschutz beitragen, Tiere züchten, Wissen vermitteln, Lebensräume schützen und Exemplare auswildern.
Zoos sind also elementar, um die Gesellschaft aufzuklären, Tiere zu schützen und für eine intakte Umwelt zu sensibilisieren.
Schöne Worte, schöne Gehege, schöne Vorstellung. Doch hält dies auch dem Realitätscheck stand?

 

Schauen wir uns die vier Säulen einmal genauer an.

2 -  Probleme

Ausbeutung, Misshandlung, kurz: Tierquälerei - dies ist die zentrale Kritik am Zoo auf den Punkt gebracht. Allein die unzähligen Fälle an Tierleid in Zusammenhang mit Zoos, mit denen wir, die STIFTUNG für BÄREN -Wildtier- und Artenschutz, konfrontiert werden, reichen aus, um diese Vorwürfe zu bejahen. 

Daher ja, in Zoos entsteht Tierleid. Das ist ein Fakt, körperliche Deformierungen und Stereotypien zeigen dies deutlich. Die Argumentation, dies zu rechtfertigen, bringt stets jene vier fast schon mystischen Schlagworte. Doch was ist dran?

1 - Naturschutz: das Thema Artenschutz spielt eine wichtige Rolle in Zoos. Die Idee, Tiere in Gefangenschaft zu züchten, um ihre Art zu erhalten, ist eine gängige Methode. Allerdings ist es kein Artenschutz, wenn die Tiere nur in Menschenhand überleben. Zumal Wildtiere, die in Gefangenschaft leben, zwar optisch an die Tiere in freier Wildbahn erinnern, so sind sie von den Fähigkeiten nicht mit echten Wildtieren zu vergleichen. Wir sehen diese Unterschiede tagtäglich in unserem Schwarzwälder Projekt. Bären wie DARIA z.B., in einem Zoo geboren und aufgewachsen, ist von der Körperlichen Fitness, dem Geschick und der Intelligenz nicht mit einer Wildbärin wie JURKA oder ISA zu vergleichen. Außerdem sind die Tiere, die in Gefangenschaft aufwachsen, viel zu sehr an Menschen gewöhnt. Denn die Tiere erfahren z.T. Training, damit die Tierpfleger mit ihnen umgehen können. Dies erleichtert die Haltung, hat mit Artenschutz jedoch nichts zu tun, da diese Tiere nie ausgewildert werden können. Die Zucht von Tieren für die Gefangenschaft ist daher für den Artenschutz nicht relevant. Die Tiere, die ausgewildert werden, sind zudem erschreckend wenig: 2005-2020 wurden 149 Tiere geschützter Arten ausgeliefert, die für eine Auswilderung angedacht waren. Über 800 Wildfänge wurden hingegen in deutsche Zoos gebracht. Denn dies ist wichtig für den Genpool, da besonders die Arten, von denen nur noch wenige Exemplare in Zoos leben, einen überschaubaren Genpool verfügen und somit Inzucht droht. Grundlegend werden nur 20-25 bedrohte Arten in Zoos gehalten. 

HINTERGRUND FAKT

Am 3. März 1973 wurde das Washingtoner Artenschutzabkommen unterzeichnet, das den Handel u.a. von Wildtieren regelt. Dies verschärfte auch die Entnahme von Tieren aus der Natur, etablierte die CITES Papiere, eine Art Reisepass für Wildtiere. Es wurde auf einmal nicht mehr so einfach, durch Wildfänge frisches Blut in Zoos zu bringen. So wurde der Artenschutz in Zoos auf einmal wichtig, Tiere mussten gezüchtet werden, um die Art zu erhalten, und dafür braucht es eben hin und wieder Wildfänge, um den Genpool bunt zu halten. 

 2 - Forschung: Die Verhaltensforschung von Wildtieren in Gefangenschaft ist nur bedingt für Exemplare in der freien Wildbahn anwendbar. Beispiel Wölfe: viele Jahre lang wurde davon ausgegangen, dass es bei Wölfen eine Rangordnung im Rudel gibt, die sich vom Alpha über Beta Wolf etc. erstreckt. Doch es stellte sich heraus, dass eine solche Rudelstruktur nicht in der freien Wildbahn, sondern nur in Gefangenschaft auftritt. In der Natur besteht ein Wolfsrudel aus den Eltern und den Nachkommen. Hier liegt ein Familienverband vor, keine Hierarchie wie in einem klassischen Rudel. 

Doch im Allgemeinen wird in der Öffentlichkeit kommuniziert, dass in Zoos bezüglich der Biologie, dem Verhalten oder der Fortpflanzung geforscht wird. Allen voran die Analyse des Verhaltens ist in Zoos wenn überhaupt bedingt möglich, da sich die Tiere kaum wie in der freien Wildbahn verhalten. Die Forschung in Zoos dient daher vorwiegend der Verbesserung der Haltungsbedingungen, weshalb u.a. Tierversuche durchgeführt werden. Z.B. beim Eisbären Nanuq in Nürnberg, bei dem stets an der selben Stelle das Fell rasiert wurde, um in den Haaren das Stresshormon Cortisol zu untersuchen. Damit er dies ohne weiteres über sich ergehen lässt, wurde er mit Futter konditioniert, damit er brav die Tatze reicht. 

HINTERGRUND FAKT

Im Grunde genommen zählen Versuche wie beim Eisbären Nanuq nicht als Tierversuche, da er es “freiwillig” macht.

Die Forschung in Zoos sucht also vorwiegend Lösungen für Probleme, die es ohne Zoos nicht gäbe. 

3 - Bildung: Eingesperrte Vögel, Geparden auf engstem Raum, Bären auf Betonboden - in Zoos etwas über das natürliche Verhalten von Tieren zu lernen ist äußerst schwierig. In der Regel verweilen BesucherInnen ca. 1 Minute vor einem Tiergehege. Ausnahmen bilden Jungtiere und Fütterungen. Eigentliches Wissen wird durch pädagogische Elemente vermittelt, meist Schilder mit Informationen. Diese werden jedoch in anschaulichen Büchern z.B. besser, ausführlicher und leichter zugänglich präsentiert. Eine Umfrage in einem Zoo in England von 2017 hat ergeben, dass die Kinder mehr über Dinosaurier wissen, als über den dort ausgestellten Menschenaffen. 

Immer wieder sind Besucher in unseren Wildtier- und Artenschutzprojekten, sowohl im Alternativen Bärenpark Worbis, als auch im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald, überrascht, dass Bären Winterruhe halten. Auch, dass Bären auf Bäume klettern können, ist neu für viele Besucher, die zuvor nur in Zoos waren. Ein Besucher meinte einmal sogar, dass der Bär mit seinem Kopf webt, um sich trocken zu wedeln. Tierpfleger in einem Zoo hätten dies so erklärt. 

Kein Zoo wird den Ansprüchen von Wildtieren gerecht, im Gegenteil, viele natürliche Verhaltensformen sind im Zoo unerwünscht, weil sie die Haltung bzw. das zur Schau Stellen erschweren. Gerade bei scheuen Tieren wie Wölfen, Luchsen aber auch Bären ist dies auffällig. Denn ihnen werden kaum ausreichend Rückzugsmöglichkeiten geboten, denn sonst würden diese Tiere nur sehr, sehr schwer sichtbar sein. Also werden sie mit Futter konditioniert, damit sie zu bestimmten Zeiten an bestimmten Plätzen sind. Dies fördert jedoch stereotypes Verhalten, weil die Tiere dann, je näher die nächste Fütterung rückt, unruhiger werden, regelrecht aufs Futter warten, statt es selbst zu suchen

4 - Erholung: Dieser Punkt ist letztlich sehr individuell zu bewerten. Heiße Sommertage mit großem Besucherandrang, langen Schlangen an den Essensausgaben und überfüllten Spielplätzen zählen im Allgemeinen jedoch selten zu den Punkten, die Erholung versprechen. Letztlich entscheidet jeder selbst, was zur Erholung beiträgt oder nicht. Daher möchten wir diesen Faktor nicht bewerten, überlassen jedem selbst, was Erholung ist und was nicht. 

Stattdessen wollen wir ein kleines Gedankenexperiment wagen:

Die Situation: ihr wollt in den Zoo. Bildung, Erholung, Naturschutz und Tiere anschauen. Doch am Eingang empfängt euch jemand vom Team, der euch folgendes erklärt: 

Fall A - aus kostentechnischen Gründen wird das Bildungsangebot eingestellt. Die Tiere sind aber wie gewohnt zu sehen, an ihnen wird geforscht und Artenschutzprogramme zum Erhalt der Lebensräume vor Ort werden unterstützt. 

Geht ihr rein? 

Fall B - aus Personalmangel wird die Forschung eingestellt, pädagogische Elemente sind weiter da, Artenschutzprogramme werden unterstützt und die Tiere sind zu sehen. 

Geht ihr rein? 

Fall C - das Artenschutzprogramm ist leider erfolglos, Schilder sind vorhanden, an den Tieren wird geforscht und sie sind wie gewohnt zu sehen. 

Geht ihr rein? 

Fall D - aus tierschutztechnischen Gründen sind die Tiere nicht zu sehen. Mit dem Eintritt wird jedoch ein Artenschutzprogramm zum Erhalt der natürlichen Lebensräume finanziert, die pädagogischen Elemente sind interaktiv und die Forschung an den Tieren findet weiter statt. 

Geht ihr rein? 

3 - Zukunft Zoo

Erholung, Bildung, Forschung, Naturschutz. Warum eigentlich nicht? Stellen wir uns vor, zoologische Gärten würden dies ernst nehmen und wirklich verfolgen. Dann könnte der Zoo der Zukunft wie folgt aussehen:

Der moderne Zoo ist in der Regel an einen Nationalpark angegliedert, damit die Einrichtung als Wildtierauffangstation fungieren kann. Dort werden verletzte, verwaiste Wildtiere aufgenommen, aufgepäppelt und wieder ausgewildert. Exotische Tiere gibt es nur in Ausnahmefällen, z.B. nach Beschlagnahmung illegaler Haltungen. Grundlegend sind Tierpräparate oder synthetische Tiere zu sehen, die durch modernste Technik zum Leben erweckt werden, durch eine App auf dem eigenen Mobiltelefon. In anschaulichen Präsentationen können die BesucherInnen auf eine digitale Reise in den echten Lebensraum der Tiere mitgenommen werden, während sie durch einen realen Wald laufen, der an den Grenzen von einem Zaun gesichert ist - denn dadurch, dass der Zoo an einen Nationalpark angeschlossen ist, kann es durchaus sein, dass Wildtiere wie Bären, Wölfe oder Luchse vorbeikommen. So ist der Besuch im Zoo der Zukunft ein individuelles Erlebnis, eine faszinierende Wissensreise, die zeitgleich Wildtier- und Artenschutz unterstützt. Allen voran entschleunigt und erholt es Körper und Geist. Denn der moderne Zoo baut die Natur nicht in Arealen aus Beton, Glas und Stahl nach, sondern befindet sich direkt IN der Natur. So ist der Zoo von Morgen ein Bindeglied zwischen Mensch und Natur. Auf diese Weise lernen wir die wilde, ursprüngliche Seite der Umwelt kennen, in der wir auch wirklich leben. Dadurch, dass alle Nationalparks miteinander verbunden sind, sind auch alle Zoos miteinander verbunden.
Und somit auch wir Menschen untereinander… und mit der Natur. 

Natürlich ist dieser visionäre PR Text eine Utopie, die aktuell kaum weiter von der Realität entfernt wäre, doch genau das ist es, was die Zoos mit ihren vier Säulen sagen. Eine Mischung aus Nationalpark, Baumwipfelpfad, Naturkundemuseum und Wildtierauffangstation. So verträumt diese Vorstellung auch sein mag, genau das wäre es eigentlich, was unsere Gesellschaft und unsere Kultur gerade braucht, auch im Hinblick auf zukünftige Konflikte mit Wildtieren. Denn die Folgen der Unfähigkeit, Natur zu verstehen, sind schon jetzt höchst alarmierend. 

Zum einen häufen sich die Tierschutzfälle mit Wildtieren, wir gehen europaweit von ca. 20.000 Tieren jährlich aus, zum anderen wachsen die Herausforderungen bezüglich Wildtiermanagement. Ein realistischer Ansatz wäre daher:

1 - Zucht von Wildtieren in Gefangenschaft einstellen. Es ist irrelevant für den Artenschutz, bringt Tierleid mit sich, zumal die Tier nicht artgerecht gehalten werden können. Weiterhin würde dies den Wildtierhandel merklich eindämmen. 

2 - Tierschutzareale bereitstellen - Im niederländischen Zoo Rhenen entstand 1993 ein Bärenwald, um traumatisierten Tanzbären ein neues Zuhause zu bieten. Dies war ein von der EU unterstütztes Projekt. Nach diesem Vorbild könnte jeder Zoo ein Tierschutzareal einrichten. Denn das Problem ist, dass es einen absoluten Mangel an Einrichtungen gibt, die traumatisierte Tiere aufnehmen kann. Viele Beschlagnahmungen finden nicht statt, weil es keine Unterbringung für die Tiere gibt. Wolfshybriden z.B. treten häufig bei Privatpersonen auf, die einem solchen Tier jedoch nie gerecht werden können. 

3 - echte Bildung - ja, das ist stereotypes Verhalten und das kommt daher, dass Wildtiere nicht in Gefangenschaft leben können - diesen einfachen, ehrlichen Satz kann die Zukunft so vieler Tiere retten. Wenn allen voran Kinder verstehen, dass die Natur nur in der Natur stattfinden kann, nicht in beheizten Hallen oder Aquarien, dann trägt dies wirklich zum Schutz des Lebensraums bei.

4 - Wildtierauffangstationen - Igel, Fuchs, Reh - was tut ihr, wenn ihr verletztes Wildtier findet und wohin damit? Wenn es überhaupt Wildtierauffangstationen gibt, sind diese meist privat geführt und kämpfen mit der Belastungsgrenze, in der Regel ist dies aber selten. Stellt euch vor, ihr findet ein verletztes Reh und könntet einfach den nächsten Zoo anrufen? 

5 - Grüne Oasen - wie schaut es eigentlich mit dem Menschen aus? Was lernt ihr über euch selbst im Zoo. Wäre es nicht toll, wenn der Zoo auch für euch Rückzugsorte hätte, einen kleinen Wald oder eine Wiese? Zudem mit gesundem, nachhaltigem Essen? Ein rundum Packet der Erholung

HINTERGRUND FAKT

Auch der Alternative Bärenpark Worbis war einst ein kleiner Tierpark. Heute ist es ein Wildtier- und Artenschutzprojekt mit internationaler Relevanz.

4 - Fazit

Hand auf’s Herz: wer in den Zoo geht, will Tiere sehen. Nicht beobachten, nicht verstehen, einfach nur ansehen. Es sind Profit und Prestige orientierte Einrichtungen, die ihre Daseinsberechtigung natürlich inszenieren, wie die Anlagen auch. Aber schöne Worte und Fotos im Hintergrund kleiner Anlagen ändern nichts daran, dass in Zoos unfassbares Tierleid entsteht. Und genau das ist das Problem. Statt offen damit umzugehen, werden immer neue Rechtfertigungen gefunden, um an dem alten System festzuhalten. Doch dieses ist längst nicht mehr zukunftsfähig.

Die oben genannten Vorschläge, Ideen, Visionen, mögen wie aus einem Märchenbuch klingen, doch sind sie perspektivisch gesehen Varianten, die eine Zukunft haben. Wir als Menschen haben eine natürliche Empathie gegenüber den Tieren. Schauen ihnen gerne zu. Und genau da entsteht der innere Konflikt. Niemand will den Tieren persé etwas Böses oder gar Leid antun, daher wird die Realität nach eigenem Ermessen verändert, wie die Anlagen in den Zoos. Doch egal, wie bunt und natürlich die Farbe am Beton schimmert, es bleibt Gefangenschaft für die es keine Begründung gibt, außer der eigenen Schaulust. Wir als Menschen, als Gesellschaft, müssen zu unserem Mitgefühl mit den Tieren stehen und sie gehen lassen. Denn vor lauter Kampf um den Zoo vernachlässigen wir die Tiere in unserer direkten Umgebung, in der realen Welt, in der wir leben. Wieso können wir Millionen für die Leasingkosten von Pandas ausgeben, während die einzige Lösung für heimische Beutegreifer darin besteht, sie abzuschießen. Das Problem mit dem Zoo ist jedoch, dass es eine unantastbare Institution ist, die als Kulturgut unanfechtbar scheint. Doch wenn wir dieses Kulturgut weitergeben wollen, dann muss es sich endlich anpassen. Dann müssen Zoos aufhören, Orte der Zauberei zu sein, in denen auf magische Weise alle Tiere der Erde auf einem Fleck leben, sondern endlich das werden, was sie selbst von sich behaupten: eine Begegnungsstätte zwischen Mensch & Natur.

 

Egal, wie bunt und natürlich die Farbe am Beton schimmert, es bleibt Gefangenschaft für die es keine Begründung gibt, außer der eigenen Schaulust. Wir als Menschen, als Gesellschaft, müssen zu unserem Mitgefühl mit den Tieren stehen und sie gehen lassen.