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Bei lebendigem Leib wird den Bären die Galleflüssigkeit abgezapft. Foto: WSPA
Bei lebendigem Leib wird den Bären die Galleflüssigkeit abgezapft. Foto: WSPA

„Gallebären“ sind Bären die man in Fernost in winzige Käfige sperrt, um ihnen bei lebendigem Leib Gallenflüssigkeit abzuzapfen. Allein in China werden auf diese Weise mehr als 10.000 Bären auf so genannten Bärenfarmen malträtiert.

 

Meist sind es Kragenbären, aber auch Malaien- und Braunbären, die man auf den Bärenfarmen in so genannte Extraktionskäfige steckt – auch „Quetschkäfige“ genannt. Die Käfige sind so klein, dass es den Tieren zu keiner Zeit möglich ist, aufzustehen. Im allerschlimmsten Fall werden die Bären auf dem Bauch liegend dauerhaft auf den Boden gequetscht, um ihnen an der Bauchseite die Gallenflüssigkeit abzapfen zu können.

Im Vergleich zu Käfighühnern haben Gallebären noch weniger Platz. Foto: WSPA
Im Vergleich zu Käfighühnern haben Gallebären noch weniger Platz. Foto: WSPA
Bei der Entnahme des Gallensafts werden verschiedene Methoden angewandt. Auf zwei Methoden soll hier näher eingegangen werden:

Methode 1. Es wird zunächst ein Katheder durch die Bauchdecke gestoßen und zur Gallenblase geführt. Der Katheder verbleibt dann dauerhaft im Bauchraum. In der Folge wird zwei Mal täglich „gemolken“, das heißt, ein Schlauch wird durch den Katheder zur Galle geführt und diese durchstoßen – ohne Betäubung! Die Gallenflüssigkeit läuft dann über den Schlauch ab.

Methode 2. Zunächst wird eine Öffnung in die Bauchdecke geschnitten und die Galle operativ an die Bauchöffnung angeschlossen. Die Wunde muss anschließend offen gehalten werden. Die Gallenflüssigkeit läuft kontinuierlich ab und wird unter dem Käfig aufgefangen.

Was die so geschundenen Bären jahrelang ertragen müssen, ist in der Geo-Reportage „China: Die Qual der Gallebären“ (16. 3. 2005) ergreifend beschrieben:

„Außer der täglichen Tortur des "Gallemelkens" unterbricht nichts die Monotonie ihrer Tage, Wochen, Monate und Jahre. Sie werden unterernährt, erhalten zu wenig Wasser, verdämmern im Stumpfsinn, nagen sich als Reflex auf die chronischen Schmerzen die Kiefer an den Eisenstäben blutig, hauen monoton ihre Köpfe gegen das Metall, bis sich nicht heilende Hautrisse und Geschwüre bilden; viele erblinden. Die Wunden entzünden sich, brennen und schmerzen, doch kratzen können sich die Tiere nicht, weil ihnen Krallen und häufig auch die Eckzähne zu Beginn ihrer Gefangenschaft herausgerissen worden sind, fast immer ohne Betäubung.“

Bärengalle wird seit langem in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet. Ursprünglich wurde sie gewonnen, indem man wild lebende Bären jagte, denen man dann die Gallenblase entfernte. Zu Beginn der 1980er Jahre entstanden dann die Bärenfarmen. Heute sind diese in China, Nord- und Südkorea, Laos und Vietnam verbreitet. Die Praxis der Gallesaftgewinnung wurde wegen der grausamen Misshandlung der Bären von Anfang an kontrovers diskutiert. Die Chinesische Regierung versucht die Bärenfarmen zu rechtfertigen, indem sie argumentiert, Bärenfarmen würden die Notwendigkeit Wildbären zu töten, reduzieren. Belege dafür, dass der Druck auf Wildbären deshalb weniger würde, gibt es nicht. Nach wie vor werden Wildbären wegen der Galle getötet. Auch erschießt man Bärenmütter, um deren Jungen als Nachschub an die Gallefarmen zu liefern.

Die STIFTUNG für BÄREN hat im Alternativen Bärenpark Worbis im Rahmen einer ständigen Ausstellung eine Infostation zu den Gallebären aufgebaut.

Bis zu 10.000 Gallebären schätzt man allein in China. Foto: WSPA
Bis zu 10.000 Gallebären schätzt man allein in China. Foto: WSPA