Winter. Welpen. Freie Wildbahn. - Warum Bären in die Natur gehören
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- Kategorie: Bären
Sie kommen in einer finsteren Höhle zur Welt. Sind so groß wie ein Stück Butter, haben kaum Fell und ihre Augen sind zu. Draußen fegen Schnee und Frost über das Land, während sie im Schoß ihrer Mutter zu den größten Beutegreifern des europäischen Festlands heranwachsen: Braunbären.
Geboren werden sie während der Winterruhe.
Doch was hat es mit diesem Phänomen der Natur auf sich?
Kann ein Leben in Gefangenschaft Bären überhaupt gerecht werden und warum gibt es in den Projekten der STIFTUNG für BÄREN -Wildtier- und Artenschutz keinen Nachwuchs?
INHALTSVERZEICHNIS
1 | Phänomen Winterruhe 2 | Von Box bis Kerker - Winter in Gefangenschaft 3 | Phänomen Wintergeburt 4 | FAZIT |
1 – |Phänomen Winterruhe
Was ein Bär wohl so alles in seinem langen Winterschlaf träumt? Wahrscheinlich gar nichts, da Bären, anders als Igel, nicht in einen tiefen Schlaf fallen, sondern sich eher in einem Dämmerzustand befinden. Sie fahren ihren Stoffwechsel um bis zu 80% runter, senken ihren Herzschlag von 55 Schlägen pro Minute auf 15. Dies spart enorm viel Energie, was wahrscheinlich der Grund ist, warum Bären im Laufe der Jahrtausende diese Praktik entwickelt haben. Denn im Winter ist das Nahrungsangebot recht überschaubar, ein Problem für viele Tiere, doch besonders für solche, die einen so hohen Nahrungsbedarf haben wie Bären.
Ein weiteres Merkmal der Winterruhe bzw. Unterschied zum allgemeinen Winterschlaf ist, dass die Bären relativ schnell wieder aktiv sein können. Teilweise haben sie sogar richtige Wachphasen, je nach Individuum und Umständen. Ein Bär kann also in Notsituationen durchaus reagieren, während ein Igel oder eine Fledermaus sehr viel schwerer aus ihrem Tiefschlaf zu holen sind. Dies liegt u.a. daran, dass ihre Körpertemperatur stark gesenkt ist, ganz im Gegensatz zu Bären, die ihre lediglich um 3-6 Grad herabsetzen.
BEARFACT - Bären können Aminosäuren abbauen und so aus Urin Wasser zurück gewinnen.
Die Winterruhe kann bis zu 7 Monate andauern, wobei das Eindämmern und Aufwachen stets ein Prozess ist. Zwei wichtige Faktoren sind dahingehend zum einen die Höhle, zum anderen der Winterspeck. Bären nehmen vor der kalten Jahreszeit bis zu 40% ihres Körpergewichts zu. In unseren Tierschutzprojekten konnten wir bei einer weiblichen Bärin im Frühjahr beispielsweise 170 kg, im Spätherbst 230 kg dokumentieren. Bei einem Männchen Pendant waren es 330 zu Beginn des Jahres, am Ende 400 kg.
Ein dünner Bär geht nicht in die Winterruhe, lautet hier die Faustregel.
BEARFACT - Bären fressen, fressen und fressen, bis das Fressen sich nicht mehr lohnt, dann hören sie auf.
2 -| Von Box bis Kerker - Winter in Gefangenschaft
In einer Pressemitteilung vom Zoo Berlin heißt es, die verschneite Winterlandschaft im Zoo und Tierpark ist nicht nur eine Augenweide, sondern bietet auch viele, aktive Tiere.
Und zu diesen aktiven (Winter)Tieren gehören auch die Braunbären. Denn anders als in der Natur herrscht im Zoo kein Futtermangel während der kalten Jahreszeit und daher brauchen die Bären keine Energiesparmaßnahmen einzuleiten.
Dabei ist der Zoo Berlin keine Ausnahme, zahlreiche Einrichtungen, deren Konzept auf der Zurschaustellung von Tieren basieren, halten ihre Braunbären den ganzen Winter über aktiv, da ihr Fokus eben Besucherorientiert ist. Ein Tier, das nur die Hälfte des Jahres zu sehen ist, ist auch nur halb lukrativ. Doch den wahren Preis dafür zahlen nicht die BesucherInnen, sondern wieder einmal die Tiere selbst. Die Fütterungen führen nicht selten zu starken Stoffwechselstörungen wie Diabetes.
Auch in der freien Wildbahn, je nach Region und Nahrungsangebot, kann es auch vorkommen, dass Braunbären nicht in Winterruhe gehen. Was auch zum Geburtenrückgang führen kann. Doch letztlich ist dieses Wachbleiben nicht mit dem künstlichen Wachhalten in einem Zoo zu vergleichen, da in freier Wildbahn eine Entscheidung darüber ist, ob Verhungern oder nicht und somit dem Bären selbst überlassen bleibt.
In anderen Bärenhaltungen, etwa in den Schlossgräben in Torgau und Droyßig sowie Krumlov [CZ], haben Bären die Möglichkeit, in Winterruhe zu gehen. Ein Unterschied zu Zoos ist die damit einhergehende Tradition. Denn besonders in eher kleineren Gemeinden ist das Bären in die Winterruhe zu geleiten bzw. das feierliche Erwecken im Frühjahr ein fester Bestandteil der lokalen Bräuche. Oft werden Kindergärten oder Schulen damit einbezogen, die mit Gesängen ihren Teil beitragen.
Doch wo ruhen Bären in Gefangenschaft? In der Regel wird den Vierbeinern eine klassische Box angeboten, dabei handelt es sich um Zellen umgeben von Gitterstäben, in welche die Tiere auch in der Regel nachts eingesperrt werden. Die Unterbringung der Bären im Schloss Krumlov erinnert hingegen tatsächlich eher an einen Kerker, der unter der Brücke zu finden ist, die über den Schlossgraben und die sich darin befindlichen Bären führt.
In unseren Einrichtungen, im Alternativen Bärenpark Worbis und im Alternativen Wolf-und Bärenpark Schwarzwald, greifen wir zum Beispiel auf Betonröhren zurück, die in die Umgebung eingepflegt sind und den Bären als Winterhöhle dienen. Teilweise haben wir zudem Sandsteinhöhlen. Doch es besteht auch die Möglichkeit, dass sie ihre eigenen Höhlen graben, was natürlich der Idealfall ist, da dies ein wertvoller Beitrag zur natürlichen Beschäftigung ist. Dadurch werden die Tiere individuell gefördert und lernen ein Stück weit ihre Instinkte (wieder) zu nutzen.
3 - |Phänomen Wintergeburt
Beim Blick auf die Geburtsdaten unserer Bären fällt eins auf: Sie alle sind im Januar oder Februar geboren. Dies liegt daran, dass Braunbären während der Winterruhe in den Winterhöhlen geboren werden. Die Paarungszeit findet von Mai bis Juli statt, dh. zwischen Fortpflanzung und Wurf liegen ca. 180 - 270 Tage, wohingegen sich die reine Tragezeit auf 42 bis 56 Tage beläuft. Dies liegt an der s.g. Keimruhe. Die befruchtete Eizelle nistet sich nicht direkt ein, sondern erst während der Winterruhe. Falls die Bärin nicht genügend Futter bekommt oder keine passende Winterhöhle findet, kommt es nicht zum Wurf der Welpen.
Die Muttermilch der Bären ist enorm Protein- und Fetthaltig. So schaffen es die Welpen innerhalb eines halben Jahres von gut einem halben Kilo auf über zwanzig zu wachsen. Als wir 2016 die zwei Bärenwelpen ARIAN und ARTHOS aus Albanien retteten, hatte jedoch keiner der Beiden zwanzig Kilo. Im Gegenteil, sie waren stark unterernährt. Daher ist es fatal, wenn kleine Bären zu früh von ihrer Mutter getrennt werden. Auch das Nachbilden einer entsprechend nahrhaften Milch funktioniert nur bedingt.
4 - | FAZIT
Die Winterruhe der Bären ist ein hochkomplexer Prozess. Vieles davon spielt sich im Verborgenen ab, in den Höhlen selbst. Wir versuchen den Bären in unseren Tierschutzprojekten ein Leben zu bieten, dass so naturnah wie möglich ist. Nicht selten werden wir daher gefragt, warum wir denn nicht selber Bären züchten, da die Bedingungen schließlich kaum besser gehen. Doch dazu wird es niemals kommen. Aus mehreren Gründen:
1 - Wir wollen uns nicht selbst wertvollen Platz nehmen
2 - Auch die beste Haltung von Bären ist nicht artgerecht.
3 - Ziel unserer Arbeit ist es, ein Ende der Gefangenschaft von Bären zu erreichen. Würden wir selber Nachwuchs produzieren, wäre das kontraproduktiv.
Bären haben sich im Laufe der Jahrtausende nahezu perfekt an das Leben in der freien Wildbahn angepasst. Die meisten Bestrebungen, die eine Gefangenschaft mit sich bringt, zielen darauf aus, diese natürlichen Fähigkeiten zu unterbinden. Graben, Klettern, Futtersuche, Kommunikation, dies und vieles mehr, das ein Bärenleben ausmacht, wird ihnen in der Regel versagt. In unseren Tierschutzprojekten möchten wir ihnen die Chance geben, dieses Leben so gut wie möglich zurück zu gewinnen. Doch dies funktioniert auch unter den besten Bedingungen zu partiell. Daher gilt es, eine Gefangenschaft von Bären in Zukunft zu unterbinden. Wie letztlich alle Wildtiere gehören sie in die freie Wildbahn. Dabei sind Tradition, Kultur und Unwissen die entscheidenden Faktoren, die eine Haltung von Bären immer wieder am Laufen hält. Es gilt also, die Rolle von Wildtieren, wie den heimischen Europäischen Braunbären, neu zu bewerten. Ein wichtiger Schritt dahingehend wäre es, zunächst die Zucht von Bären in Gefangenschaft auslaufen zu lassen und die Individuen, die aktuell in Einrichtungen gehalten werden, so naturnah wie möglich leben zu lassen. Der Einfluss der Menschen ist es, der in der freien Wildbahn zu s.g. Problembären führt und in Zoos oder Tierparks ein falsches Bild der Tiere zeigt. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass es der menschliche Einfluss eines Tages dazu führt, den Bären das Leben zu ermöglichen, für das sie gemacht sind: Ein Leben in der freien Wildbahn.