Die Bären der Welt - Kult. Missbrauch. Schutz.

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Sie sind in jedem Kinderzimmer zu finden. Sie wurden systematisch ausgerottet. Sie sind Symbol für Umweltschutz. Ihr Lebensraum wird zerstört. Als Welpen sind sie Medienstars…. und letztlich sind sie Opfer der wohl schlimmsten Grausamkeit, die sich Menschen je ausgedacht haben - und das im Sinne des Artenschutzes. Bis heute prägen Bären die menschliche Kultur und üben eine Faszination aus wie kaum ein anderes Wildtier. Und genau das wird ihnen zum Verhängnis. Doch wer sind sie überhaupt, die Großbären, wo leben sie eigentlich, was tut der Mensch ihnen an und vor allem: was können wir dagegen tun?

INHALTSVERZEICHNIS

1 – Braunbär
2 - Eisbär
3 – Panda
4 – Schwarzbär
5 - Malaienbär
6 - Lippenbär
7 - Brillenbär
8 -Kragenbär
9 -FAZIT

1 – Braunbär

Ursus arctos | Unsere heimische Art: der (europäische) Braunbär. Einst war er in Deutschland heimisch, wurde jedoch systematisch ausgerottet. Symbolträchtig wurde 1835 der letzte Bär in Deutschland erlegt. Doch nicht zuletzt der Zwischenfall 171 Jahre späte, mit dem Wildbären JJ1 im Jahr 2006 zeigt, dass die Bundesrepublik nicht nur theoretisch ein natürliches Habitat für Bären wäre, sondern praktisch ein Bärenerwarungsland ist. Da es zahlreiche Unterarten gibt, wie etwa den eurasischen Braunbären, den syrischen Braunbären oder den Grizzly, variieren Größe und Gewicht stark.

HINTERGRUND Der Kampf gegen den Missbrauch und die Ausbeute von Braunbären war 1996 für uns Anlass, den Alternativen Bärenpark Worbis zu gründen und uns auf den Schutz, die Rehabilitation und Rettung von Bären zu widmen.

Population: ca. 110.000
Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika
Größe: 1 m - 2.80 m
Gewicht: 100 - 350 kg (in Europa, weltweit können Exemplare bis zu 750 kg vorkommen)
Status: nicht gefährdet
Missbrauch: Zoo, Wegwerfbären, Zirkus, Bärengräben, Film & Fernsehen, Streichelzoo, Freizeitparks, Tanzbären, Trophäenjagd

2 - Eisbär

Ursus maritimus | Kaum ein anderes Tier symbolisiert die Überheblichkeit der Menschen mehr als der Eisbär. Viele Jahre lang wurden sie gejagt und an den Rand des Aussterbens gebracht, nun schwindet ihr Lebensraum, während Eisbären in künstlichen Arealen in Zoos gehalten werden. Die größten Großbären leiden dort unter starken Stereotypien. Was für ein Leid das Leben in Gefangenschaft für ein Wildtier bedeutet wird besonders bei Eisbären deutlich. Weltweit gibt es keine einzige Haltung, die auch nur annähernd verhaltensgerecht wäre. Dennoch leben in 115 Zoos circa 400 Eisbären in Gefangenschaft, werden als Besuchermagneten missbraucht. Obwohl ihr Leid unübersehbar ist, wird die Haltung von Eisbären als Artenschutz verkauft, wobei in Wahrheit die Zurschaustellung, besonders von Welpen, der eigentliche Grund der Gefangenschaft ist. So wird in China der Bär PIZZA in einem Einkaufszentrum ausgestellt. Doch auch Deutschland hat mit der Vermarktung des Eisbären Knut den Missbrauch der gefährdeten Tiere massiv befeuert.

Population: ca. 20.000 - 30.000
Vorkommen: Arktis [Norwegen, Kanada, USA, Grönland, Russland]
Größe: 2 m - 3.40 m
Gewicht: 100 - 300 kg (weiblich), 400 - 500 kg (männlich)
Status: gefährdet
Missbrauch: Zoo, Zirkus

3 - Panda

Ailuropoda melanoleuca | Alle Pandas gehören China. Ein absurder Satz, der leider sogar wahr ist. Die Republik China erhebt Besitzanspruch auf alle Pandas dieser Erde. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Die hilflosen Bären werden als politische Auszeichnungen verliehen für umgerechnet circa 1 Millionen Euro. Auch der Bundesrepublik Deutschland wurde die Ehre zuteil, diese begehrten Tiere als Leihgabe nach Berlin holen zu dürfen. Damit wird die Zucht von Pandas, besser gesagt die Nachproduktion, finanziert. Denn Pandas in Gefangenschaft müssen in der Regel künstlich befruchtet werden, was mitunter auf brutalste Weise geschieht. Die Frage, inwiefern dies den freilebenden Pandas hilft, bleibt offen. Fakt ist jedoch, dass sie ein wahrer Besuchermagnet sind und einen Kultstatus genießen, der auf profitable Weise unterstützt wird.

Population: ca. 1.900
Vorkommen: China
Größe: 1.2 m - 1.50 m
Gewicht: 70 - 160 kg
Status: gefährdet
Missbrauch: Zoo, Film und Fernsehen, politisches Werbegeschenk

4 - Schwarzbär

Ursus americanus | Unvergessen bleiben die beiden Schwarzbärenbrüder JIMMY und GONZO, die viele Jahre lang in der Zirkusmanege missbraucht wurden. Ihr Schicksal hat viele Herzen berührt und die Empathie gegenüber den Tieren gefördert. Leider sind noch heute Schwarzbären weltweit Opfer von Ausbeutung in Zirkussen, aber auch als Ausstellungsobjekte in Zoos. Dabei gehören sie, wie Braunbären auch, nicht zu den gefährdeten Tieren. Eine Gefangenschaft, gar Zucht von Schwarzbären, hat nicht die geringste Begründung.

Population: ca. 600.000
Vorkommen: USA, Kanada
Größe: 1.50 m - 1.80 m
Gewicht: 40 - 400 kg (weiblich im Durchschnitt 80 kg, männlich im Durchschnitt 120 kg)
Status: nicht gefährdet
Missbrauch: Zoo, Zirkus, Privathaltung, Jagd

5 - Malaienbär (Sonnenbär)

Helarctos malayanus | Sie werden in der freien Wildbahn eingefangen. Oftmals als Welpen. Ihre Körper sind wertvolle Ware. Sprich, eigentlich nur bestimmte Teile ihres Körpers. Allen voran die Galle erzielt hohe Preise bei Wildtierhändlern. Doch es kommt auch oft zu Rettungen. Zu Beschlagnahmungen. Leider landen viele der Malaien- oder Sonnenbären in Zoos, wo sie aufgezogen werden, um wiederum Welpen auf die Welt zu bringen, die verdammt dazu sind, ein Leben in Gefangenschaft zu verbringen.

Population: ca. 20.000 - 30.000
Vorkommen: Asien [Malaiische Halbinsel, Sumatra, Borneo]
Größe: 1 m - 1.40 m
Gewicht: 30 - 70 kg
Status: gefährdet
Missbrauch: Zoo, Gallebären, Jagd

6 - Lippenbär

Melursus ursinus | Der stets heiter Bär Balu aus dem weltberühmten Werk Das Dschungelbuch ist wohl für viele eine vertraute Kindheitserinnerung. Doch gibt es Bären in Indien? Ja, die gibt es! Nur sehen tatsächlich ein wenig anders aus, als Balu der Bär. Leider hält der Lippenbär einen fragwürdigen Titel: obwohl der zu den kleinsten der Großbären gehört, gilt er als der gefährlichste. Dies mag zum einen daran liegen, dass sein Lebensraum von vielen Menschen bedrängt wird, zum anderen daran, dass er im Vergleich zu anderen Wildtieren, relativ dürftige Sinnesorgane hat. Zahlreiche Zwischenfälle mit den langen, scharfen Krallen des Lippenbären ereignen sich deshalb, weil der Vierbeiner die Menschen zu spät wahrnimmt. Entsprechend groß ist die Abneigung in zahlreichen Gebieten. Eine Rechtfertigung, die Tiere als Tanzbären zu missbrauchen oder sie in Zoos auszustellen ist die aber noch lange nicht.

Population: ca. 10.000 - 20.000
Vorkommen: Asien [Indien, Sri Lanka, Bhutan, Bangladesch (seit 2013 ausgestorben), Nepal]
Größe: 1.40 m - 1.80 m
Gewicht: 55 - 95 kg (weiblich), 80 - 145 kg (männlich)
Status: gefährdet
Missbrauch: Zoo, Zirkus, Tanzbär, Gallebär, Jagd

7 - Andenbär (Brillenbär)

Tremarctos ornatus | Eisbär? Panda? Tatsächlich erfährt der Andenbär die wohl düsterste aller Prognosen, denn sein Lebensraum wird zunehmend zerstört. Eine zunehmende Industrialisierung seines Habitats wird allen Anschein nach in den nächsten Jahrzehnten dafür sorgen, dass es für den Andenbären kaum mehr Hoffnung gibt. Zunehmende Viehweiden entstehen dort, wo sein Zuhause ist, inklusive Straßen und den dazugehörigen Gasleitungen etc.

Population: ca. 25.000
Vorkommen: Südamerika [Kolumbien, Venezuela, Peru, Ecuador, Bolivien]
Größe: 1.30 m - 1.90 m
Gewicht: 130 - 175 kg
Status: gefährdet
Missbrauch: Zoo, Privathaltung, Wildtierhandel, Industrialisierung des Lebensraums, Jagd

8- Kragenbär (Asiatischer Schwarzbär, Mondbär, Tibetbär)

Ursus thibetanus | Von allen Bären ereilt der Kragenbär das schlimmste Schicksal. Der Schweizer Filmemacher Mark Rissi, einst Vorstand der STIFTUNG für BÄREN, dokumentierte das Leid von Kragenbären. Zum einen die grausamen Bärenkämpfe, zum anderen eine Sache, die schlimmer als jede erdenkliche Folter der Menschen im Mittelalter ist: Gallebärfarmen. Dort befinden sich die unschuldigen Tiere in kleinen Käfigen, ein Schlauch ist an ihrem Bauch angebracht, damit ihre Galle abgezapft werden kann. Kein Auslauf. Nichts. Sie bleiben in diesem Käfig, der kaum so groß ist wie sie selbst. Ein Leben lang. Unsere EARS Partner von BEARS in MIND und Vierpfoten setzen sich für diese Tiere u.a. in Vietnam ein. Geretteten Gallebären fehlen oft Gliedmaßen. Sie werden verkauft, sterben im Laufe der Jahre im Käfig ab oder werden direkt beim Einfangen in der Wildnis durch Schlingfallen abgetrennt. Denn dieser Wahnsinn wurde einst damit begründet, Artenschutz betreiben zu wollen. Es hieß, die Kragenbären würden auf Farmen gehalten, damit die freilebenden Exemplare nicht mehr bejagt werden müssen.

Ein Ende in Sicht? Hoffen wir, dass eines Tages alle Gallebärfarmen geschlossen werden. Unternehmungen laufen. Einige Erfolge sind zu verzeichnen. Doch auch im Bereich der Gallebären gibt es Weiterentwicklungen. Neue Techniken. Die Käfige werden durch Anzüge abgelöst. Blecherne Rüstungen, in welche die Bären gesteckt werden. Aus wenig Bewegungsspielraum in den Käfigen wird so absolut gar keiner.

Population: unbekannt
Vorkommen: Asien [Afghanistan, Sibirien, China, Korea, Japan]
Größe: 1.20 m - 1.80 m
Gewicht: 65 - 90 kg (weiblich), 100 - 150 kg (männlich)
Status: gefährdet
Missbrauch: Zoo, Gallebären, Wildtierhandel, Wilderei, Bärenkämpfe, Tanzbären
 

9- FAZIT

Die Bären dieser Welt repräsentieren Evolution und faszinierende Natur. Es sind starke, sensible, intelligente und unfassbar geschickte Tiere. Sie benutzen Werkzeuge, auch Pandas sind z.B. in der Lage, Werkzeuge zu verwenden, um Ratten zu jagen. Braunbären überwintern viele Meter unter der Erde monatelang. Von den Fähigkeiten eines Eisbären ganz zu schweigen… Doch der Mensch versteht es geradezu meisterhaft, diesen wundervollen Tieren alles zunehmen. Ihren Lebensraum, ihr Leben, ihre Welpen. Der Mensch sperrt sie in Käfige, verkauft ihre Gliedmaßen, ihre Organe, zwingt sie zu lebensverachtenden Showeinlagen, stellt sie aus, handelt mit ihnen, lässt sie gegen ihre Hunde kämpfen. Der Mensch zerstört ihr Habitat und brüstet sich damit, sie künstlich in Gefangenschaft auszustellen, Filme mit ihnen zu drehen. Sie müssen auf glühenden Kohlen tanzen. Nicht zuletzt werden sie als Haustiere gehalten.

Wir kämpfen jeden Tag für die Bären. Doch wir brauchen EURE Hilfe. Die Bären brauchen eure Hilfe. Sagt Nein zu Einrichtungen, die Bären missbrauchen, die Bären züchten. Sagt Nein zur Pandahaltung, sagt Nein zur Eisbärhaltung. Meidet Missbrauch im Urlaub, wie etwa Gallebärfarmen. Es ist die Kultur des Menschen, die durch die Bären geprägt wurde. Es ist aber auch die Kultur der Menschen, welche den Bären unsagbares Leid zuteil werden lässt. Nun ist es an uns, gemeinsam eine Kultur zu prägen, die Bären nicht misshandelt, sondern sie das sein lässt, wozu sie gemacht sind: Wildtiere. Und das an dem einzigen Ort, in dem sie artgerecht leben können: der freien Wildbahn.