Rettungsaktion mit größter Geheimhaltungsstufe, Tierschutzpreis, aktive Wildtierhilfe und vieles mehr - DAS war 2025!

 

Die Arbeit hier im Bärenwald ist komplex, abwechslungsreich und oftmals unvorhersehbar. Jeder Tag bringt etwas Neues, allen voran jedoch die Gewissheit, etwas Sinnvolles für Tier, Mensch und Natur getan zu haben.
Raoul Schwarze | Leitung Alternativer Wolf- und Bärenpark Schwarzwald

Unser neuer Projektleiter im Schwarzwald, Raoul Schwarze, hat mit diesen Worten nicht nur seinen Arbeitsalltag, sondern eigentlich das gesamte Jahr 2025 ganz gut beschrieben. Der Blick auf die vergangenen 12 Monate ist geprägt von wunderschönen Tiermomenten, spannenden Rettungen, bärenstarker Unterstützung, aber auch traurigen Abschieden. Hier ist unser Jahresrückblick 2025:

Im Februar besuchte der Landtagspräsident Thüringen, Dr. Thadäus König, unser Thüringer Projekt, den Alternativen Bärenpark Worbis. Dabei stellte sich heraus, dass der engagierte Politiker nicht zum ersten Mal bei uns zu Gast ist:

"Mit meiner Familie besuche ich häufig den Bärenpark. Besonders meine Kinder sind fasziniert von den Bären und Wölfen. Im Park erleben sie sehr anschaulich, wie Tierschutz funktioniert und welche Bedeutung die dort lebenden Wildtiere für den Menschen und die Natur haben."

Auch im März finden wir ein weiteres Highlight in Worbis, und zwar erwachte Neuzugang MYKHAILO zum ersten Mal aus seiner Winterruhe bei uns. Zuvor war er jahrelang in einem kleinen Käfig misshandelt worden, wir retteten ihn 2024 aus der Ukraine, wo er vermutlich nie Winterruhe halten durfte. Einen weiteren Besuch mit politischer Tragweite durften wir ebenfalls in Worbis empfangen:
Der Bärenpark ist eine Erfolgsgeschichte – es braucht mehr davon. Höchste Zeit, dass diese Einrichtung bekommt, was sie verdient. Die ganze Region profitiert davon.- Steffen Schütz, Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur

Mit diesen Worten überreichte Steffen Schütz die Förderung an die Stadt Leinefelde-Worbis, in deren Kooperation ein neues Eingangsgebäude für unser Tierschutzprojekt entstehen wird.

Leider müssen wir im März auch eine traurige Begebenheit verarbeiten: wir verabschieden uns von unserer Luchsdame ELA. Einst in einem deutschen Zoo geboren, wurde sie an einen Freizeitpark nach Fuerteventura verkauft. Ihre Rettung war damals die erste Kooperation mit unseren Partnern des Tierschutznetzwerks EARS.

Im April sind wir im Außeneinsatz in Krumlov, der Tschechischen Republik. Dort leben noch immer Bären in einem mittelalterlichen Burggraben. Die UNESCO hält dort ihre schützende Hand darüber, es sei Teil der Tradition. Doch ist Tierquälerei wirklich ein Kulturgut, dass wir an kommende Generationen weiterreichen sollen? Wir sagen dazu NEIN und initiierten daher gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen der niederländischen Organisation BEARS in MIND eine Konferenz zur modernen Haltung von Bären.

Auch im Mai bewegen wir uns auf internationalen Wegen. Konkret unterstützen wir ein Projekt in Rumänien, um Wildbären zu helfen. Dort ist eine neue Autobahn geplant, die mitten durch Bärengebiet führen soll. Um Konflikte im Vorfeld zu minimieren, sollen dort Wildbrücken entstehen.
Im Juni kommt es zum ersten Einsatz unserer Wildtierauffangstation. Seit einigen Jahren pflegen wir eine Kooperation mit dem Thüringer Umweltministerium in Sachen Wildtiermanagement. Nun ist es soweit: ein geschwächter Luchs aus der freien Wildbahn wird in unsere Obhut gegeben. In unserer Wildtierauffangstation soll er zu Kräften kommen und wieder zurück in die Natur entlassen werden. Zahlreiche ähnliche Anfragen zeigen, wie wichtig unsere Wildtierstation für das Wildtiermanagement in Thüringen ist.

Im Juli ereignet sich ein weiterer historischer Moment in Sachen Wildtiermanagement: mit LUNA trifft auch das erste Tier in unserer Wildtierauffangstation im Schwarzwald ein. Die Bärin mit der ehemals offiziellen Kennung JJ4 ist Tochter von JURKA und stammt auch aus der freien Wildbahn. Ihr Fall sorgte durch einen tödlichen Unfall für internationale Schlagzeilen. Aufgrund der hohen Symbolkraft LUNAs im Zusammenhang mit der aufgeheizten Stimmung in Italien bezüglich der Bären fürchten wir Sabotage. Daraufhin findet die Aktion unter größter Geheimhaltung statt. 

Im August besucht Ministerpräsident Thüringens, Mario Voigt, im Rahmen seiner On Tour - Unterweges im Grünen Herzen Deutschlands Kampagne unser Worbiser Wildtier- und Artenschutzprojekt. Nur knapp zwei Wochen später ist es soweit, der von uns aufgepäppelte Luchs BARON wird zurück in die Freiheit entlassen.

Im darauffolgenden September freuen wir uns auf einen ganz besonderen Tag, der nur alle zwei Jahre stattfindet: im Alternativen Bärenpark Worbis findet der Patentag statt. Hunderte von Unterstützern, Paten und Wegbegleitern verbringen mit uns einen Tag auf Augenhöhe. Doch leider folgt im selben Monat eine weitere, traurige Nachricht: Wolf KITO stirbt nach nur anderthalb Jahren in unserem Schwarzwälder Projekt aufgrund eines Tumors. Dieser ist vermutlich auf inzestuöse Zucht zurückzuführen.

Am 20.+21. September 2025 haben wir auf der internationalen Konferenz in den Niederlanden, REWILDING OUR WORLD, die Gelegenheit, über das Leid und die Probleme von Wildtieren in Gefangenschaft zu referieren. Unter dem Motto -Global Perspectives, Local Actions- werden Möglichkeiten und Herausforderungen skizziert, wie wir in Zukunft mit Natur und Wildtieren umgehen sollten.

Nur vier Tage später liefert der (wieder)ausgewilderte Luchs BARON ein tragisches Beispiel dafür, dass beim Wildtiermanagement in Deutschland dringender Handlungsbedarf besteht: BARON wird von einem Zug erfasst und stirbt noch vor Ort.

Im Oktober freut sich unser Schwarzwälder Team über den Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg. Peter Haug, Minister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, formuliert es selbst sehr passend:
Tiere sind unsere Mitgeschöpfe und es ist unsere Verantwortung, ihren Schutz und einen artgerechten Umgang zu gewährleisten. Daher ist die Landesregierung bestrebt, die Lebensbedingungen aller Tiere im Land weiter zu verbessern.

Im November nehmen wir, dieses Mal in Italien, an dem Jahresmeeting des europäischen Netzwerks von Tierschutzeinrichtungen und Auffangstationen [EARS] teil. Das besonders schöne daran: wir treffen im dortigen Tierschutzprojekt auf eine Wölfin, die wir im vergangenen Jahr mit einem EARS Partner aus Eschede retteten.
Die Tiere wurden aus dem ehemaligen Filmtierpark Eschede geholt und sind Opfer von Ausbeutung und Missbrauch, was durch den Wildtierhandel in Deutschland erst ermöglicht wird. Noch im selben Monat findet in Berlin ein parlamentarischer Abend statt, der genau dies zum Thema hat: Deutschland als das europäische Zentrum des internationalen Wildtierhandels.

Im Dezember folgen leider zwei weitere, traurige Meldungen. Im Alternativen Bärenpark Worbis stirbt Luchs PRIMUS aufgrund von Altersschwäche, nur zwei Tage später müssen wir uns von Luchs CATRINA im Schwarzwald verabschieden. Auch sie hat ein sehr hohes Alter erreicht.

Zum Abschluss des Jahres haben wir die Wölfe KIRA und KLEO, die sich in ihrem neuen Areal einleben. Nachdem sie jahrelang im Kontaktzoo des Filmtierparks Eschede misshandelt wurden, kamen sie im April 2024 zu uns in den Schwarzwald, wo sie zunächst im Wolfrückzugsgebiet lebten. Seit Ende 2025 erfreuen sie sich nun in der neuen Anlage oberhalb des Besucherwegs daran, einfach nur Wolf sein zu dürfen. Und dies nutzen sie ausgiebig - denn in wölfischer Manier zeigen sich die scheuen Tiere nur selten.

2025 war ein Jahr der extremen Gegensätze, große Freude und traurige Momente lagen oft nur wenige Tage auseinander. Doch wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr für den Wildtier- und Artenschutz zurück. Dies haben wir der bärenstarken Unterstützung aller Tierfreunde zu verdanken, die unseren Einsatz für die misshandelten und traumatisierten Tiere erst möglich machen.

Wir sagen daher von ganzen Herzen DANKE!

Euer Team von der
STIFTUNG für BÄREN -Wildtier- und Artenschutz

Frohe Weihnachten!

Klamotten, Bücher oder Spielekonsole? Die schönsten Geschenke für uns passen unter keinem Weihnachtsbaum, sind aber unbezahlbar - und wir teilen sie gerne mit euch. Denn es sind die kleinen Momente aus dem Alltag unserer Tiere, die unsere Herzen erfüllen. Wenn sie über sich hinauswachsen, wenn sie ihr Leben endlich genießen.

Daher unser Weihnachtsgeschenk für euch: Momente voller Hoffnung, voller Herzlichkeit, voller Lebensfreude. Denn davon können wir in den aktuellen Zeiten wohl kaum genug haben.

In diesem Sinne wünschen wir euch ein besinnliches Fest, genießt die Tage mit euren Liebsten.

Von Herzen, euer Team der
STIFTUNG für BÄREN -Wildtier- und Artenschutz

Statement – Kabinett beschließt Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht

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Das Kabinett hat beschlossen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, da der Erhaltungsstatus günstig sei und es zu Konflikten mit Weidetierhaltern und Teilen der Bevölkerung kommt. So kann der Abschuss in Regionen mit hohem Wolfspopulation vereinfacht umgesetzt werden, auch kann es zu Bestandsreduzierung kommen.

Im Wolfsjahr 2024/25 wurden 219 Rudel, 43 Paare und 14 Einzeltiere festgestellt, dies führt zu dem Beschluss, das Vorhaben des Koalitionsvertrages umzusetzen. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer: Wir halten Wort und sorgen dafür, dass Weidetierhalter nachts endlich ruhig schlafen können. Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz kommen klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit. Damit kann dort gehandelt werden, wo Zäune oder Herdenschutzhunde nicht mehr ausreichen – gerade auch in den alpinen Regionen.

Bundesumweltminister Carsten Schneider ergänzt noch, der Wolf darf bleiben.

Diese Entscheidung ist vor allem in einer Sache praxisnahe: der Abschuss von Wölfen wird entkriminalisiert. Allein die Behauptung, den Bestand durch Abschuss zu regeln und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Weidetierhalter ruhiger schlafen können ist widersprüchlich. Ebenso wie die Absicht, friedlich mit ihm (dem Wolf) zu leben, wie Carsten Schneider weiter betont. Abschuss ist jedoch eine friedliche Variante.

Grundlegend ist der Abschuss von Wölfen eine Sache, Herdenschutz eine andere. Das Problem beim Abschuss von Wölfen liegt darin, dass dies die Zahl der Risse nicht zwangsweise vermindert, denn die Entnahme einzelner Tiere zerstört die Rudelstruktur und kann zum Gegenteil führen. Wir beispielsweise das männliche Tier, sprich der Vater des Familienverbands, erschossen, so bleibt die Fähe mit den Nachkommen zurück. Mit wachsendem Nahrungsdruck wächst auch der Druck, sich an der verhältnismäßig einfachen Beute, den Weidetieren, zu bedienen. Außerdem erhöht der Mangel an Paarungspartnern die Hybridisierung von Wölfen durch streunende Hunde. Der Fall der Hybriden vom Truppenstützpunkt Ohrdruf ist dafür der beste Beweis.

Der Beschluss wird nicht dazu führen, dass es weniger Risse gibt, auch wird es nicht den Herdenschutz verbessern, im Gegenteil, durch die vermeintlich vereinfachte Entnahme von Wölfen liegt es nahe, den Herdenschutz lockerer zu sehen. Doch genau darin liegt die Gefahr.

Eine Gefahr der Bevölkerung lag zu keinem Zeitpunkt vor und scheint als willkürliches Argument. Der Ausbau von Herdenschutzmaßnahmen wäre der sinnvollere Schritt wenn es um Herdenschutz geht. Doch dies scheint bei diesem Beschluss nicht im Vordergrund zu stehen.
Wie sich der Beschluss tatsächlich auswirkt, bleibt jedoch abzuwarten.

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