GAIA im Projekt Schwarzwald angekommen

Weiterlesen ...
Herzlich willkommen GAIA!

Geschafft – um 3:30 Uhr trifft das Rettungsteam sogar vor dem Zeitplan im Schwarzwald ein. Die Fahrt lief souverän. Für Tier und Mensch steht zunächst eine verdiente Ruhe an. Gegen halb neun wird die Wölfin schließlich in die Freianlage gelassen. Sobald der Schieber der Transportbox aufgeht läuft sie gleich - vorsichtig, aber neugierig - in ihre neue Anlage, die speziell für sie für 4000,- Euro umgebaut wurde. Mit großem Interesse schaut sich GAIA nun ihr neues Zuhause an.

Um GAIA eine möglichst stressfreie Eingewöhnungsphase zu ermöglichen, haben wir einen Sichtschutz angebracht. Wir bitten daher alle Besucher_Innen um absolute Ruhe in diesem Bereich.

 

Es geht allen beteiligten gut und wir möchten uns ganz herzlich bei den Paten, Spendern und Unterstützern unseres Tierschutzprojekts bedanken, die solche Aktionen und vor allem die tiergerechte Unterbringung in unseren Freianlagen ermöglichen.

Info: morgen, am 17.Juli 2020 um 18:45 Uhr, läuft der Beitrag über die Ankunft von GAIA in der Landesschau SWR

Weiterlesen ...

Live Ticker Aktion GAIA – Wolfsrettung aus Litauen

Weiterlesen ...
Auf den Weg in den Schwarzwald: GAIA

10:59 Uhr – Das Einsatz-Team der STIFTUNG für BÄREN [Bernd Nonnenmacher, Rüdiger Schmiedel und Teresa Carl] befindet sich gerade auf dem Rückweg von Litauen. Dort wurde eine Wölfin beschlagnahmt und befindet sich seit 7:00 Uhr Ortszeit in unserer Obhut. Die 2017 geborene Fähe GAIA wird im Projekt SCHWARZWALD ein neues Zuhause finden. Das Team und die Wölfin werden morgen früh in Bad Rippoldsau-Schapbach erwartet.

Hintergrund: 2017 wurden in Litauen zwei Wolfswelpen in einem Waldgebiet gefunden. Sie wurden per Hand aufgezogen und lebten in Privathaltung. Einer der Wölfe ist verstorben, der andere, die Fähe GAIA, wuchs zu einem Wildtier heran, wurde kaum noch zu handhaben, attackierte Besucher der Halterin. Die Wölfin kam in eine Hundeauffangstation, wurde für einen Hybriden gehalten, wies starke Verhaltensstörungen auf. Der Fall erregte großes, nationales Interesse, wurde zu einem Medienspektakel. Schließlich schaltete sich der Tierschutz ein und so konnte GAIA in Zusammenarbeit mit dem Ministerium beschlagnahmt werden, kam vorübergehen in dem Zoo Kaunas, Litauen, unter. Dort wurde sie am Mittwoch, den 15. Juli gegen 7:00 Uhr Ortszeit dem Einsatz-Team übergeben.

 

Weiterlesen ...

Bärengedenktag 2020

Weiterlesen ...
Ob Problembär oder nicht liegt letzten Endes in menschlicher Hand

Am 26.06.2020 ist Bärengedenktag. Heute vor genau 14 Jahren wurde Braunbär BRUNO in Bayern erschossen, im Auftrag der Landesregierung. Begründet wurde dies damit, dass er den Menschen zu nahekam, auffällig wenig Scheu vor ihnen zeigte. Er war der erste freilebende Bär in Deutschland seit 171 Jahren. Seine Geburt war ein Erfolg für den Artenschutz, sein Tod ein Resultat menschlichen Fehlverhaltens. Um zu verstehen wie es dazu kam und damit es in Zukunft vermieden werden kann, muss man einen Blick auf seine Geschichte werfen. Und die beginnt Mitte der Neunziger in der Wildnis Sloweniens mit der Geburt seiner Mutter JURKA.

Es ist das malerische Jurka Tal, in der die Bärin das Licht der Welt erblickt und dem JURKA ihren Namen zu verdanken hat. Während die junge Vierbeinerin in der freien Wildbahn Osteuropas zu einer Bärendame heranwächst, ist in Italien ein Artenschutzprojekt im vollen Gang. Das Ziel von Life Ursus ist es, die drastisch niedrige Braunbärenpopulation im norditalienischen Trentino zu stärken, auf ein gesundes Maß anzuheben. Wie soll das geschehen? Durch eine einfache Idee: einzelne Tiere aus Gebieten, in denen es sehr viele Bären gibt, werden „umgetopft“. Sie werden also in ihren Heimatländern eingefangen und in Italien wieder ausgewildert. Auch in Slowenien sucht man nach passenden Individuen. Auf diese Weise kommt JURKA nach Mitteleuropa.

Im Trentino fand sie nun, wie viele andere Braunbären auch, ein neues Zuhause. Hier konnte sie in den Wäldern alles anwenden, was sie in ihrer wilden Kinderstube erlernt hatte. Das Suchen nach Futter und wichtigen Heilkräutern, das Jagen, das Klettern auf Bäume, das Graben von Höhlen, das Durchsetzen gegenüber Artgenossen und vieles mehr was man braucht, um selbständig in der Natur zu überleben. Eines Tages traf sie auf JOSE, einem Bärenmann, der ebenfalls im Rahmen von Life Ursus nach Italien verbracht wurde. Die beiden verpaarten sich und im folgenden Jahr wurde ihr Sohn geboren. Aus den Anfangsbuchstaben der Eltern kombiniert mit der Zahl 1 als Erstgeborener ergab sich seine wissenschaftliche Bezeichnung JJ1. Auch ihrem Nachwuchs zeigte sie, wie man die Widrigkeiten überwindet, um als Wildbär in der Natur zu überleben. Und das wohl wichtigste dabei ist – wie komme ich an Futter?

Für Wildtiere ist die Beschaffung von Nahrung durchaus eine heikle Angelegenheit, die viel Zeit in Anspruch nimmt und mitunter gefährlich sein kann. Und genau diese Schwäche wurde von rücksichtlosen Menschen ausgenutzt, um Bären für Touristen anzulocken. Auch JURKA und JJ1 wurden auf diese Weise Opfer des Tourismus. Für eine kurze Gaudi, um zwischen Mittag und Abendessen mal eben Bären in freier Wildbahn zu sehen, wurden sie angefüttert. Was für Mutter und Sohn natürlich zunächst sehr angenehm war, denn so konnten sie Nahrung finden, ohne großen Aufwand zu betreiben.

Und genau das prägte sich in ihren Kopf, in ihr Verhalten ein: wo es Menschen gibt, gibt es auch einfache Nahrungsquellen.

Mit diesem Wissen machte sich der Jungbär im Frühling 2006 auf den eigenen Weg. Er verließ seine Mutter und wanderte über die Alpen, schaute abwechselnd in Österreich, Deutschland und Italien vorbei. Dabei setzte er die Taktiken um, die er gelernt hatte: der effektivste, einfachste Weg zu Futterbeschaffung ist in der Nähe von Menschen zu finden.

Bienenstöcke, Schafställe – hier beschaffte sich der junge Bärenmann seine Nahrung. Dieser augenscheinliche Mangel an Scheu vor Menschen brachte ihm den Ruf eines „Problembären“ ein und die Medien gaben ihm den Namen BRUNO. Die Gemüter kochten, Schlagzeilen von BRUNOs Plünderungen überschatteten die damalige Fußball Weltmeisterschaft in Deutschland. Am 26.06.2006 kam es schließlich zum Drama in Bayern: BRUNO wurde erschossen. Ein junger Bär, der zweieinhalb Jahre alt war, einen Widerristhöhe von weniger als einen Meter hatte und 2 Zentner auf die Waage brachte, versetzte eine ganze Region in Aufruhr.

Was geschah mit seiner Mutter JURKA, der durch das Anfüttern eine ähnlich geringe Scheu vor Menschen antrainiert wurde? Sie wurde eingefangen und mehrfach von einer Unterbringung in die nächste gebracht. Die einstige, freiheitsliebende Wildbärin musste zum Beispiel eine Zeit lang in einem Bärengraben im Kloster San Romedio, einem Orden der Franziskaner Mönche, leben. Glücklicherweise konnte sie von dort gerettet werden und kam schließlich am 26. August 2010 in unser Schwarzwälder Tierschutzprojekt, wo sie noch heute in den großen Freianlagen lebt.

Für uns ist sie ein Symbol dafür, welche Verantwortung der Mensch gegenüber den Wildtieren und welchen mitunter gravierenden Einfluss auf ihren Lebensraum hat. Sie zeigt wie kaum ein anderer Vierbeiner, dass Wildtiere nicht in Gefangenschaft, sondern in Freiheit gehören. Heute, am Bärengedenktag, möchten wir darauf aufmerksam machen und an die Menschen appellieren, sich den Folgen ihres Handelns bewusst zu werden. Es gilt den natürlichen Lebensraum zu schützen. Ein wichtiger Punkt dahingehen ist es, Fehlverhalten zu vermeiden. Allen voran das Anfüttern.

Für die Menschen im Industriestaat Deutschland ist es ungemein wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, sich aufzuklären und richtiges Verhalten zu lernen. Denn aktuell ist wieder ein junger Bärenmann in Bayern unterwegs. Ob auch aus ihm ein Problembär wird oder nicht, liegt letzten Endes in menschlicher Hand.

Weiterlesen ...

Folgen Sie uns auch auf: