plötzlich und unerwartet mussten wir Abschied von unserer MINA nehmen. Am Montagmorgen fanden wir sie regungslos in unserer Seniorenresidenz. Die Tage zuvor war die für ihr hohes Alter sehr agile Wölfin noch wie immer in elegantem Lauf durch die Freianlagen gestreift.
Noch etwas benommen schreibe ich euch aus meiner Mittelwinterruhe. Zurzeit übernachte ich nicht in meinem Sandstein-Loft, sondern etwas weiter unterhalb vom Hang. Wie es dazu kam? Nun, es begann alles vor ein paar Wochen, noch vor der letzten Winterruhe. Ich hatte schon bemerkt, dass die anderen Vierbeiner mich so seltsam aus den Augenwinkeln ansahen, machte mir aber nichts daraus. Dann schaute ich zufällig in eine Pfütze und dachte mir: Oh, nein, was ist das denn? Mein Fangzahn hängt ja völlig schief!
Mist, auch noch jetzt, so kurz vor der Winterruhe! Und auf einmal hatte ich ein wenig Sorge, dass die Grünkutten dies merken würden. Denn seit ich hier bin, also seit über acht Jahren, wurde ich vom Tierarzt schön in Ruhe gelassen. Warum auch? Ich war ja stets fit und vital. Jetzt hatte ich ein wenig Angst, denn so eine Narkotisierung vor der Winterruhe kann durchaus meinen Biorhythmus durcheinanderbringen. Aber mit heimlich in die andere Richtung gucken hat es nicht funktioniert - die Grünkutten haben meine Zahnprobleme bald entdeckt. Doch zu meiner großen Freude, betäubten sie mich nicht, sondern beobachteten mich nur verstärkt. Beruhigt traf ich also meine Vorbereitungen zur Winterruhe und als schließlich der Zahn weg war, war auch das Problem aus meinen Gedanken verschwunden.
Bis letzte Woche: irgendwas stimmte wohl doch nicht mit meinem Gebiss, ich hatte Schmerzen, konnte weder Honig noch Pansen genießen und Tag drauf war es dann so weit, ich wurde narkotisiert und untersucht. Als ich aufwachte, befand ich mich in der Krankenbox, war super müde. Doch zum Glück sagten meine Schmerzen Ade. Ich nutzte einen ganzen Tag, um mich ausgiebig auszuruhen, wobei ich hörte, wie die Grünkutten sich untereinander über meinen Gesundheitszustand unterhielten. Worte wie Top, gesund, gute körperliche Verfassung, beruhigten mich. Am Freitag durfte ich dann schließlich die Krankenbox wieder verlassen und nun bin ich hier unten und stelle alles ein wenig auf pianissimo.
Also, mir geht’s gut und ich bin auch bald wieder auf 100 Prozent! Allerdings mehr als forte wurde es am Wochenende, als ein Sturm über unserer Wolftal fegte. Aber auch hier ging alles gut und es blieb alles unversehrt.
lange habe ich hin und her überlegt. Soll ich wach bleiben, wo ich schon mal aus meiner Höhle vertrieben wurde? Oder doch wieder schlafen gehen? Ich fühlte mich noch so müde und unausgeschlafen. Und, um ehrlich zu sein: unausgeschlafen ist meine Laune nicht die beste. Also habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Unterkunft für den Rest des Winters gemacht. Die Luxussuite oben am Hang zum Beispiel steht leer. PARDO hat seine Winterruhe nämlich schon beendet. Na prima, dachte ich, dann kann ich ja einziehen. Das war, bevor ich hinein geschaut habe. Na, da sah es aus. Und erst der Geruch! Pfui, die muss erst einmal lüften, bevor eine anständige Bärin wie ich dort einziehen kann. In einer anderen Höhle hat sich DAGGI zur Winterruhe eingerichtet. Ich habe nur ganz vorsichtig aus der Entfernung einen kurzen Blick hineingeworfen. Schon hat sie mich böse angebrummt. Ausdrücke kennt die, unmöglich! Etwas Passendes war bei dem Höhlenangebot für mich jedenfalls nicht dabei. Aber das macht ja nichts. Selbärmachen liegt schließlich voll im Trend und im Gegensatz zu PEDRO kenne ich mich mit Höhlenstatik bestens aus. Einen geeigneten Bauplatz hatte ich schnell gefunden. Einen halben Vormittag ordentlich gebuddelt und schon war der Rohbau fertiggestellt. Zur wohlverdienten Pause kuschelte ich mich ein Stündchen ins weiche Laub hinter dem Hügel. Doch was musste ich sehen, als ich von meiner Pause zurückkam? Quietschvergnügt saß PARDO im Eingang meiner Höhle und tat so, als sei das alles sein Werk. Alle Versuche, ihn auf die wahren Besitzverhältnisse hinzuweisen, hat er völlig ignoriert. Nur gut, dass ich so großherzig bin. Heimlich hab ich mir dann an einer anderen Stelle eine weitere Wohnung gebaut. Sie ist zwar nur ganz einfach, wird aber für den Rest des Winters wohl ausreichen. Ihr wollt wissen, wo? Denkste! Das verrate ich nicht. Wer weiß, wieviele Höhlenbesetzer hier noch so herumlaufen.
Zurück im Revier: Zwischen Schutz, Angst und Verantwortung
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