Alternativer Bärenpark Worbis, täglich geöffnet
Alternativer Bärenpark Worbis
Duderstädter Allee 49, 37339 Leinefelde-Worbis

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Abschied von EMMA
EMMA

Die kleine Blonde mit dem großen Herz – so kannten und liebten wir sie, EMMA, die syrische Braunbärin.
Kein Wunder, dass sie der absolute Liebling aller Bärenfreunde war, denn durch ihre innige Bindung zu  Braunbär MAX hat es einem förmlich das Herz zerrissen, wenn sie auch nur für kurze Zeit getrennt  werden mussten. 18 Jahre durfte EMMA gemeinsam mit MAX bei uns im Alternativen Bärenpark Worbis ihr Leben in den Freianlagen genießen. Am 11. September 2018, konnten wir nichts mehr für sie tun, als sie sanft über die Regenbogenbrücke zu schicken.

1991 wurde EMMA im damaligen Berner Bärengraben geboren und zur Gaudi der vielen Touristen der berühmten schweizer Stadt an der Aare vorgeführt.
Ein natürliches Verhalten konnte sie von ihrer Mutter nie erlernen. Das für wilde Bärenwelpen ganz normale, stundenlange wandern durch die Natur an der Seite ihrer Mutter,  blieb ihr verwehrt. Stattdessen war sie von Geburt an gefangen im Graben, bei Tag und Nacht, bei gutem und schlechtem Wetter. Die kargen quaderförmigen Felsbrocken, die tristen grauen Mauern ringsum und das gaffende Publikum von oben, waren die wenigen Erfahrungen, die EMMA machen konnte. Nach dem Welpenalter, wurde sie überflüssig, denn kleine Bärchen waren für die Besucher viel attraktiver, als die inzwischen längst stereotypienbehaftete, ewig kreisende Bärin im beigen Fell.

So wurde EMMA zur Ware und gemeinsam mit dem Bären MAX, der nur wenige Meter entfernt als Bärenjunge aus dem Tierpark Bern auch unbrauchbar wurde, in Käptn Joe´s Gastwirtschaft Aarefähre verkauft, um wieder nur in einer Grube zu landen. Zwar hatten beide jetzt die Chance sich wenigstens miteinander zu beschäftigen, doch was  kann eine 40 qm Grube mit vier Meter hohen Mauern schon für eine Abwechslung bieten? Jahrelange Stereotypie mit einem drehenden Richtungswechsel in der Grubenecke machten die kleine Bärin zu einem waren Nervenbündel. Max, eher melancholisch veranlagt, hat ihr die nötige Ruhe und Abwechslung nicht geben können.  

Im Jahr 2000 steigt die neu gegründete Tierschutzorganisation „Animal Trust“ in der Schweiz in das Thema der qualvollen Haltung von Bären ein und rettet die beiden, gemeinsam mit dem Bärenpark Team aus Worbis. In einer spektakulären Aktion werden beide Bären mit einem Turmdrehkran aus der Grube gehift und per Straßentransport nach Thüringen gebracht. Nach einer kurzen Quarantänezeit spüren EMMA und MAX, der einen Monat davor in der Schweiz vasektomiert wurde, erstmals naturbelassenden Boden unter ihren Tatzen.

In den großzügigen, 5 Hektar großen Freianlagen können sie endlich den Blick in die Weite der Natur schweifen lassen. Hier  gibt es alles, was ein Bärenherz begehrt – ein wahres Paradies  für die stark traumatisierten Tiere. Trotzdem braucht EMMA noch Monate, ehe sie erfassen kann, welche Weitläufigkeit ihr jetzt geboten, wird. Der Graben ist immer noch in ihrem Kopf. Stundenlang läuft sie aufgeregt immer die gleichen Streckenlängen wie in der Grube ab, dreht sich am Ende hoch, als würde sie die Wand noch vor sich haben, um dann durch den Richtungswechsel wieder zum anderen Ende zu laufen. Noch monatelang zeigt EMMA dieses Verhalten, bis die Wölfe das Spiel nicht mehr mitmachen. Sie beginnen EMMA zu ärgern und auch zu jagen, so dass der gemütliche MAX zur Klärung erforderlich ist. Das schmiedet beide noch mehr zusammen und langsam beginnen sie, den Bärenwald gemeinsam zu durchstreifen, die Tage mit Spielen, Futtersuche, Baden und dem Bau von Winterhöhlen auszufüllen. EMMA hält Winterruhe, während Max wie ein Wächter meist in der Nähe der Höhle liegt und so gar nichts von Winterruhe hält. Beide werden immer wieder unzertrennlich gemeinsam in den Freianlagen angetroffen. Nur in der Zeit der „Bärigkeit“ wurde EMMA ihrem MAX untreu und genoss viel Zeit mit anderen Bärenmännern. Das ist bei Bären allerdings ganz natürlich. MAX wusste, nach dieser Zeit kommt sie zurück zu ihm, dann war auch alles wieder in Ordnung. 

EMMA hatte durch das jahrelange untypische Verhaltensmuster in der Grube ihre Muskeln und das Skelett immer wieder falsch beansprucht, was letztlich zu einer Verwachsung der Wirbelsäule führte und sie auf der Hinterhand immer mehr schwächte. Der Abnutzungsgrad und auch die Bewegungseinschränkung zwang sie in die Starrphase bis zur Unbeweglichkeit. Jetzt hätte die Natur einen grausamen und langanhaltenden Todeskampf gefordert, den wir ihr durch eine sanfte Medikamentenvergabe erspart haben.
   
EMMA war und ist immer noch unser Publikumsliebling, denn ihr Charme hat so manches Besucherpärchen zum Überlegen gebracht und eine starke Bindung vermittelt.

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