Auffangstation: LUCHS - für aktives Wildtiermanagement
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- Kategorie: Luchse
Frühjahr 2025, Thüringen: ein Luchs streift durch die Wohngegend einer kleinen Gemeinde, ist abgemagert, wirkt kränklich. Sein auffälliges Verhalten steht unter Beobachtung, schließlich folgt die Entnahme. Es ist die Nacht vom 3. auf den 4. Juni 2025, als er im Alternativen Bärenpark Worbis ankommt. Er ist jung, kommt aus der freien Wildbahn und braucht einen Ort, um wieder zu Kräften zu kommen. Genau für diesen Fall haben wir uns vorbereitet, der Luchs wird in unsere Wildtierauffangstation gebracht, wo er gesund gepflegt wird. Und ein paar Monate später, am 29.08.2025, wird er zurück in die Natur entlassen.
Dies ist eine gemeinsame Aktion mit dem Umweltministerium Thüringen, dem Projektteam Luchs Thüringen, dem BUND und der STIFTUNG für BÄREN -Wildtier- und Artenschutz. Dies zeigt zum einen, dass die Bemühungen, der Art Luchs einen Lebensraum in ihrem einstigen Zuhause in Deutschland zu ermöglichen, erste Erfolge zeigen. Es zeigt aber auch, dass mit der Rückkehr der Tiere die Verantwortung und die Notwendigkeit wächst, das Wildtiermanagement dem Luchs anzupassen. Und es ist ein Beispiel dafür, dass Behörden und Organisationen Hand in Hand arbeiten müssen, um einen professionellen, effektiven und nachhaltigen Umgang mit Wildtieren, in dem Fall speziell Beutegreifern, umzusetzen.
INHALTSVERZEICHNIS
1 | Lynx Lynx 2 | Rückkehr in die alte Heimat 3 |Wildtiermanagement AKTIV 4 | FAZIT |
1 – Lynx lynx
Der eurasische Luchs gehörte einst zu den am weitesten verbreiteten Katzen in Europa. Mit einer Schulterhöhe von 50-70 cm und einer Kopf-Rumpflänge von 80 - 130 cm mag er kein Riese sein, dennoch ist der Luchs die größte Kleinkatze unseres Kontinents und zählt neben Bär und Wolf zu den großen drei Beutegreifern Europas. im Schnitt bringt ein Luchs um die 20 Kilo auf die Waage. In freier Wildbahn erreichen sie eine Lebenserwartung von 5-10 Jahren, in Gefangenschaft kann dies verdoppelt werden, Luchsdame CATRINA erreichte ein Alter von 20 Jahren im Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald (Anmerkung: dies soll nicht als Argument für die Gefangenschaft verstanden werden, natürlich ist ein kürzeres Leben in der freien Wildbahn stets einem längeren in Gefangenschaft vorzuziehen)
Luchse zählen zu den effektivsten Jägern. Am liebsten erbeuten sie Rehe, 50-60 Stück reißt ein erwachsener Luchs davon im Jahr. Kleine Vögel, Hasen, Füchse und andere, kleine Säugetiere dienen als gelegentliche Nahrungsquelle, falls keine Rehe zur Verfügung stehen. Als Lauerjäger warten Luchse geduldig auf ihre Beute und sorgen mit ihrem charakteristischen Kehlenbiss in der Regel für einen schnellen Tod. Grundlegend gelten Luchse als extrem scheu. Ihre äußeren, allgemeinen Merkmale sind allen voran die Pinselohren, der Stummelschwanz und der Backenbart. Perfekt an die Natur angepasst und auf leisen Sohlen streiften die samtpfotigen Waldgeister viele Jahrhunderte lang durch Europa, bereicherten die Natur mit ihrer unverwechselbaren Katzenart.
Doch Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts verschwanden sie aus Europa. Und dies mit voller Absicht: Wie Bären und Wölfe, wurden Luchse systematisch, kompromisslos und hinterhältig bejagt. Dabei war das Ziel nichts Geringeres als Ausrottung.
Leider mit Erfolg. 1850 wurde der letzte Luchs in Deutschland erlegt.
2 - Rückkehr in die alte Heimat
1962 Elbsandsteingebirge: sie sind wieder da - erste Luchsnachweise sind zu finden. Nachdem bereits in den 1950er Jahren wieder Luchse, vermutlich aus Tschechien, nach Bayern eingewandert sind, scheinen sich nun auch andere Populationen wieder in die Bundesrepublik zu erstrecken. Nach der naturverachtenden Ausrottung hundert Jahre zuvor, kehrt der Waldgeist also wieder zurück in seine alte Heimat. Auch aus der Schweiz wandern sie z.B. in den Schwarzwald ein. Doch dies geschieht nicht nur auf natürlichem Wege, in vielen Teilen Europas kommt es zu aktiven Wiederansiedlungsprojekten in Sachen Lynx Lynx. Auch in Deutschland werden Artenschutzprojekte geplant und durchgeführt. Eines der bekanntesten und ältesten Wiederansiedlungsprojekte für Luchse ist im Harz zu finden. Seit 2000 werden Luchse ausgewildert und reproduzieren sich erfolgreich. So existieren mittlerweile wildlebende Populationen im Bayrischen Wald, der sächsischen Schweiz, Pfälzerwald, Fichtelgebirge, Spessart und unter anderem auch in Thüringen. Alles in allen kann die Zahl freilebender Luchse in Deutschland auf ca. 200 geschätzt werden. Dies ist erfreulich, reicht jedoch nicht für einen anderen Status als stark gefährdet aus.
3 - Wildtiermanagement AKTIV
Ursprünglich durch den Fall der freilebenden Wolfshybriden in Ohrdruf entstanden, gibt es eine Kooperation mit dem Umweltministerium Thüringens und der STIFTUNG für BÄREN -Wildtier- und Artenschutz. Diese sieht so aus, dass wir uns um verletzte und/oder verwaiste Wildtiere, darunter auch Kleincanivoren wie Wildkatzen. Zahlreiche Anfragen erreichten uns seitdem, von Jahr zu Jahr wachsend. So kam auch der junge Luchs vom Sommer 2025 in unsere Obhut. Mittlerweile summieren sich die Fälle allerdings in solchem Maße, dass eine Auffangstation eigens für Luchse notwendig ist. Die Pflege von Wildtieren aus der Natur ist eine große Herausforderung. Allen voran gilt es das Tier zu betreuen und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu wahren, schließlich sollen die Vierbeiner wieder in die Natur entlassen werden. Eine enge Bindung (in der Regel auf Abhängigkeit zurückzuführen) darf auf keinen Fall entstehen. Dies wird dem Luchs in freier Wildbahn früher oder später zum Verhängnis werden.
Doch unabhängig aus welcher Population Luchse stammen, ob frei geboren oder gezüchtet und ausgewildert, die Tiere in Form von Wildtiermanagement zu begleiteten, zu monitoren, ist essentiell für eine erfolgreiche Wiederansiedlung der Luchse. Eine Wildtierauffangstation, speziell für Luchse, ist daher ein unverzichtbares Tool für den Artenschutz bzw., um den Artenschutz zu begleiteten. Wichtig für eine Auffangstation in Sachen Luchs sind Quarantänebereiche, Tests, sterile Umgebung, Distanz zum Menschen und anderen Tieren, Medikamente und eine veterinärmedizinische Betreuung. Neben hohen personellen Aufwand ist dies mit entsprechenden finanziellen Aufwendungen versehen, wobei sich hier die Frage stellt: wo ist die Grenze von Artenschutz zum Tierschutz? Wird z.B. ein Luchs gezüchtet und ausgewildert, ist dies Artenschutz. Verletzt sich dasselbe Tier, wird eingefangen und gesund gepflegt, überschreiten wir den Weg zum Tierschutz, denn hier geht es um ein Individuum, ein einzelnes Tier. Wird im Anschluss wieder exakt dieses Tier (wieder)ausgewildert, schließt sich der Kreis zum Artenschutz. Problem dabei ist, das eine ist angesehen und staatlich gefördert, der Artenschutz, das andere, der Tierschutz, unterliegt keiner Subventionierung aus öffentlichen Mitteln. Doch für effektives Wildtiermanagement muss beides ineinander greifen.
4 - FAZIT
Durch die Kooperation mit dem Umweltministerium wollen wir genau das erreichen: eine Zusammenarbeit zwischen Behörden, Ministerien und NGOs. In Thüringen konnten wir auf diese Weise ein Pilotprojekt starten, von dem wir hoffen, dass nach und nach mehrere Bundesländer diesem Beispiel folgen. Auch in Baden-Württemberg, durch unser dortiges Projekt, dem Alternativen Wolf- und Bärenpark Schwarzwald, streben wir eine Kooperation in Sachen Wildtiermanagement an. Denn perspektivisch gesehen wird es zunehmend wichtiger, ein umfangreiches Management auf die Beine zu stellen. Neben Auffang- bzw. Auswilderungsstationen braucht es soziokulturelle wie urbane (Weiter) Entwicklungen. Um eine Wiederansiedlung von einst ausgestorbenen Arten erfolgreich gestalten zu können, gilt es die Ursachen des einstigen Aussterbens zu analysieren und zu eliminieren. Das Problem: der Luchs, wie Bär und Wolf auch, wurde aktiv und mit voller Absicht von Menschen ausgerottet. Es ist daher unausweichlich, den Schutz von (Wild)Tieren fest in der Gesellschaft zu verwurzeln, auch, wenn es um Infrastruktur geht. Neben der illegalen Bejagung ist der Verkehr ein riesiges Risiko für die Luchse. Dies trifft auch auf Züge zu. Denn nur wenige Wochen nach seiner erfolgreichen Wiederauswilderung fiel der junge Luchs, der in Worbis gepflegt wurde, genau dem zum Opfer: Er wurde von einem Zug erfasst und starb noch direkt am Unfallort.