Sie hockt alleine in der Ecke ihres kargen, finsteren Käfigs. Seit Jahren lebt sie hinter den Kulissen der Zirkusmanege in jenem lebensverachtenden Verlies. Im grellen Licht der Scheinwerfer fährt ihre Besitzerin auf einem Wagen im Kreis, gezogen von einem Pferd, auf dem ein verängstigter Tiger steht, neben der Besitzerin selbst ein übergewichtiger Bär mit Maulkorb und Leine. Sie, Maxy Niedermeyer, in der Presse als Bärenflüsterin gefeiert, inszeniert sich selbst in einem prachtvollen Gewand, lässt sich durch die Manege kutschieren wie eine Königin. Dies erinnert ein wenig an die Anfänge des Zirkusses, damals in der Antike, als in einem Zirkus hauptsächlich Wagenrennen und Tierkämpfe stattfanden.
Nach der Rundfahrt in der Manege beginnt erst die wirkliche Erniedrigung für den Bären. Von Niedermeyer an der Leine herumgeführt, muss das wehrlose Tier Purzelbäume machen, wird auf eine Plattform in der Mitte geführt, wo es sich wie ein braves Hündchen Sitz machen muss, dann auf den Kopf getätschelt bekommt und schließlich Futter.
Eigentlich hätte dies DAGGIs Part sein sollen, doch die junge Bärin verweigerte die Dressur. Deswegen kam sie in den Käfig. Weggesperrt von der s.g. Bärenflüsterin, die angeblich ihre Tiere wie ihre eigenen Kinder liebte.
Sie streifte sich blitzschnell den Maulkorb ab, bearbeitete mich minutenlang mit Schlägen mit den Vordertatzen. Dann hat ein erfahrener ehemaliger Raubtierkutscher ihr einen Eisenanker über den Schädel geschlagen und sie war ziemlich ko. [...] Da bin ich zu ihr in den Wagen und wir haben uns auseinandergesetzt. Danach haben wir uns gut ein Jahr lang gegenseitig misstraut.
In dieser Anekdote ging es nicht um DAGGI, sondern einen Eisbären, der Niedermeyer angriff. Doch sie beschreibt den Umgang der Dompteurin, generell von Tierdresseuren, mit den Tieren ganz gut. Letztlich geht es immer nur um die Selbstdarstellung. Macht, Dominanz, Gewalt. Den Tieren selbst bringt es gar nichts, im Gegenteil. Wie wir DAGGI kennenlernten, als sie zu uns in den Alternativen Bärenpark Worbis kam, lässt stark darauf deuten, dass auch sie mit Niedermeyer die ein oder andere “Auseinandersetzung” hatte. Denn ihre Abneigung gegenüber Menschen war sehr stark ausgeprägt. Im Laufe der Jahre hat sich dies wieder ein wenig gelegt, doch das, was DAGGI wohl am wenigsten leiden kann - sind wir Menschen.
Und das aus gutem Grund. 2014 kam DAGGI zu uns nach Worbis. 2016 wurde Ben, der letzte aktive Zirkusbär Deutschlands, beschlagnahmt. Dies ist nun genau zehn Jahre her und in ganz Europa hat sich seitdem einiges getan in Sachen Zirkus und Tierschutz.
In ganz Europa? Nein. Ein kleines Land in der Mitte des Kontinents hält wacker an der Zucht, Dressur, Ausbeutung, Missbrauch und dem Handel von Wildtieren fest.
Deutschland.