20 Jahre Bärengedenktag - Ein Hauch Normalität für BRUNOs Schwester

c_750_375_16777215_0_0_images_01-news_2025_08__original_2026-06-26_sfb_baerengedenktag_01.jpg

Als Braunbär BRUNO (JJ1) am 26.06.2006 in Bayern erschossen wurde, war sie noch ein Welpen, gerade mal ein paar Wochen alt, wanderte mit ihrer Mutter JURKA durch die schier unendlichen Wälder Italiens: LUNA. Heute ist sie 20 Jahre alt und erleidet genau das Schicksal, das sich viele damals auch für ihren Bruder wünschten - ein Leben in Gefangenschaft. Mit 17 Jahren wurde sie der Natur entnommen, ihr Alltag ist seitdem geprägt von starker Stereotypie und Leid. Doch nun spürte sie zum ersten Mal seit 3 Jahren eine Hauch Normalität in Form ihres Artgenossen ARTHOS.

Vertrauensaufbau, akribische Planung, hunderte Stunden nächtliche Beobachtung und die Auswertung von über 3 Terabyte Videomaterial: Bei der Vergesellschaftung von LUNA und ARTHOS haben wir nichts dem Zufall überlassen. Selbst der gesamte Park blieb an diesem Tag geschlossen. Und dann war es soweit: ARTHOS betrat zunächst vorsichtig die Anlage, untersuchte jeden Winkel. LUNA blieb ruhig, wartete in ihrem Versteck. Dann näherte er sich ihr und es kam zu dem mit größter Spannung erwarteten Moment: Die beiden Bären berührten sich sanft mit ihrer Schnauze. Genau diese Reaktion hatten wir erwartet und deswegen den Termin mitten in die Bärigkeit, also der Paarungszeit der Bären, gelegt.

Danach wanderten sie friedlich gemeinsam durch die Anlage. Doch nicht lange, denn denn Intensität zwischen den Beiden wuchs merklich. Schließlich kam es zu ausgiebigen Paarungsverhalten. Ab diesem Moment war uns klar: der erste Schritt zur Vergesellschaftung ist ein voller Erfolg!

Bernd Nonnenmacher, Geschäftsführer Stiftung für Bären
Die Vergesellschaftung zwischen LUNA und ARTHOS ist ein Erfolg, der auf vielen Jahren Erfahrung und harter Arbeit basiert. Wenn LUNA jedoch nicht in Gefangenschaft leben müsste, wäre dies nicht notwendig gewesen. Sie wurde zum Problembären, weil Menschen sie dazu gemacht haben. Die gesamte Bärenfamilie durchlebte grauenhafte Tragödien, da wir als Gesellschaft es verlernt haben, mit Wildtieren wie Bären zu leben. Weil wir uns von unserem eigenen Lebensraum entfremdet haben und unser Fehlverhalten auf die Tiere projizieren. Daher ist der Bärengedenktag zum Tod von BRUNO 20 Jahre später wichtiger denn je.

Christian Gareis, Augenzeuge, Fotograf des berühmten Fotos von BRUNO
Damals, vor 20 Jahren, schien mir der Abschuss von BRUNO als die falsche Entscheidung, gerne hätte ich ihn in einer Auffangstation gesehen. Mittlerweile, nachdem ich mehr über die Thematik weiß und nach vielen Gesprächen und Erfahrungsberichten, bin ich anderer Meinung. Zum einen wäre Gefangenschaft für BRUNO selbst wohl schrecklicher gewesen, als der Tod. Zum anderen gilt es für die Akzeptanz der Bären zu sorgen, hätte es einen Zwischenfall mit BRUNO und einem Menschen gegeben, wäre dies schier unmöglich geworden. Mit etwas Glück kann sein Schicksal dazu beitragen, dass eines Tages die Bereitschaft in Deutschland wurzelt, sich auf freilebende Bären einzustellen.

Folgen Sie uns auch auf: