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Die Gruppe Wolf Schweiz freut sich über die Einwanderung von Braunbär M25 in die Schweiz und sucht einen passenden Namen für das Tier. Ebenso wie viele Landwirte ihren Tieren
Namen geben, verdient auch das einzige Individuum seiner Art im Land einen solchen.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird M25 aber nicht lange der einzige Bär im Land bleiben:...

Die Gruppe Wolf Schweiz freut sich über die Einwanderung von Braunbär M25 in die Schweiz und sucht einen passenden Namen für das Tier. Ebenso wie viele Landwirte ihren Tieren
Namen geben, verdient auch das einzige Individuum seiner Art im Land einen solchen.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird M25 aber nicht lange der einzige Bär im Land bleiben:
Ein ganzes Dutzend weiterer junger Braunbären begibt sich dieses Jahr im Trentino auf Wanderschaft.
Um dem Bären einen Namen zu geben, sucht die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) bis Mittwoch nach passenden Namensvorschlägen.
Über die fünf besten Vorschläge findet auf der Homepage eine
Abstimmung unter allen Interessierten statt. "Einem Tier einen Namen zu geben, ist kein Zeichen der Vermenschlichung, sondern gibt ihm eine Identität", sagt David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz, selbst Schafhirte. "Schliesslich bekommen auch viele Heim- und Nutztiere Namen über. Nicht zuletzt
gebe ich manchen Schafen ja auch Namen!" Niemand käme auf die Idee, Tierbesitzern deswegen eine Vermenschlichung von Tieren vorzuwerfen. Die Namensgebung soll als Wertschätzung und positive Prägung von Bär M25 verstanden werden, der sich durch seine Individualität auszeichnet
(siehe unten Kasten 1).

Gleichwohl ist es sehr wahrscheinlich, dass M25 nicht lange der einzige wilde Bär in der Schweiz bleiben wird. Alleine dieses Jahr machen sich zwölf weitere Jungtiere in Norditalien auf Wanderschaft und verlassen dabei vielleicht den Trentino in unsere Richtung. Die Zahl der Bären dieser Population
ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und beträgt mittlerweile nahezu 50 Tiere (siehe unten Kasten 2).

Auskünfte:
David Gerke, Präsident Gruppe Wolf Schweiz
Tel. 079 305 46 57, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Kasten 1
Der Bär M25: Kein Unbekannter, aber auch kein Gefährlicher
Der Braunbär mit der Nummer M25 stammt wie seine Vorgänger der letzten Jahre aus dem norditalienischen Trentino. Die dortige Population gründet auf zehn slowenischen Bären, welche
zwischen 1999 und 2002 angesiedelt wurden. Die Eltern von M25 sind aber bereits waschechte italienische Alpenbären: Seine Mutter KJ2 wurde 2002 als direkter Abkömmling der angesiedelten Bären geboren, während sein Vater M6 der Abkömmling der bereits im Trentino geborenen Bärin DJ2
und des angesiedelten Bären Gasper ist.
Diese Verwandtschaftsverhältnisse zeigen eines der potentiellen Probleme für die Bärenpopulation im Trentino auf: Inzucht. Denn der Grossvater von M25 mütterlicherseits ist gleichzeitig auch sein
Urgrossvater väterlicherseits. Seine Mutter ist damit die Tante seines Vaters. Alle Bären dieser Population, die mittlerweile fast 50 Tiere (inkl. Jungtiere) umfasst, sind eng miteinander verwandt.
Dieses Problem kann langfristig nur durch ein weiteres Wachstum der Population und durch eine Verbindung mit dem slowenischen Bärenbestand gelöst werden.
Der Bär M25 hat seine Mutter im Trentino letztes Jahr verlassen und sich wohl im Herbst nach Südtirol verschoben. Dabei zeigte er eine grosse Auffälligkeit: Er hielt im vergangenen Winter keinen Winterschlaf, sondern war stets aktiv. Zudem sorgte er für Unmut, weil er einige Schafe riss, Bienenstöcke plünderte und seine Spuren teilweise nahe an Siedlungen gefunden wurden. Jedoch zeigte er nie Auffälligkeiten gegenüber Menschen - gesehen wurde er kaum je. Nachdem sich im
Januar jedoch einige Gemeindebehörden beschwerten und offen mit Selbstjustiz drohten, wurde er im Februar von der Südtiroler Jagdverwaltung eingefangen und besendert, um ihn fortan besser
überwachen zu können. Die mittlerweile gesammelten Daten des Senders zeigen, dass sich das Tier äusserst grossräumig und schnell bewegt, aber nicht in Siedlungen nach Nahrung sucht.

Kasten 2
Von Bärenjahren und anderen Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei der Bärenpopulation im Trentino um einen angesiedelten
Bestand handelt, weist er eine bemerkenswerte Eigenheit auf: Da die Zahl der angesiedelten Tiere mit zehn, darunter sieben Weibchen, sehr gering war und Weibchen nur jedes zweite Jahr Junge aufziehen, ergab sich daraus der Zufallseffekt, dass deutlich mehr Bärinnen in geraden Jahren gebären als in ungeraden. Und weil weibliche Bären meist mit vier Jahren erstmals gebären, bleibt dieser Rhythmus vorderhand bestehen.
Die jungen Bären werden Anfang Jahr in der Winterhöhle geboren und bleiben mindestens eineinhalb Jahre bei ihren Müttern, bevor sie abwandern. Oft begeben sie sich aber erst in ihrem dritten Sommer auf ausgedehnte Wanderschaften, so wie jetzt auch M25 mit Jahrgang 2012. Dieser Jahrgang brachte
ausgesprochen viele Bären hervor, mindestens 16 verteilt auf sieben Würfe. Davon waren Ende 2013 zwölf noch am Leben. Zum Vergleich: 2011 wurden nur sechs Bären geboren (zwei überlebten), 2013 drei.
Weil sich der äusserst geburtenstarke Bärenjahrgang 2012 jetzt auf Wanderschaft begibt, wird M25 dieses Jahr mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht der einzige Schweizer Bär bleiben.
Posted: 2014-05-12 16:10:45

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