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Willkommen Bär: Öffentlichkeitsarbeit im Schweizer Nationalpark. Mehr wird erforderlich sein. Foto: Ralf Bürglin
Willkommen Bär: Öffentlichkeitsarbeit im Schweizer Nationalpark. Mehr wird erforderlich sein. Foto: Ralf Bürglin
Es ist es zehn Jahre her, seit der Braunbär in die Schweiz zurückgekehrt ist. Am 25. Juli 2005 wurde der erste Rückkehrer an der Grenze von Italien und der Schweiz gesichtet. Diesem ersten Bären - genannt JJ2, Sohn von Jurka, die heute im Bärenpark Schwarzwald lebt - sind seither rund acht bis neun weitere gefolgt. Sie lassen uns hoffen und geben Antwort auf die Frage, ob Wildbären bei uns wieder eine Zukunft haben.

In den Tagen nach der Ankunft von JJ2 entwickelte sich eine regelrechte Bären-Hysterie. Bis zu 300 Personen warteten darauf, dass sich der Einwanderer wieder zeigt. Teilweise musste die Polizei sogar den Andrang regeln: Vereinzelt verhielten sich Schaulustige sehr unverantwortlich, indem sie sich JJ2 auf kurze Distanz näherten. Bereits zusammen mit seiner Mutter Jurka wurde JJ2 verdorben, indem die Bären in Italien angefüttert wurden und die Wildtiere so ihre Furcht vor Menschen verloren.

Die neuen Schweizer Bären stammen alle aus dem benachbarten Trentino bzw. aus Südtirol. Im Trentino waren zwischen 1999 bis 2002 im Rahmen eines Ansiedlungsprojekts zehn Bären ausgewildert worden. Zwei der Tiere, die beiden Männchen JJ3 und M13, wurden nach behördlicher Anordnung getötet, weil sie in der Nähe von Menschen, etwa in Mülleimern und Komposthaufen nach Futter gesucht hatten.  Nach Einschätzung der Behörden konnte nicht ausgeschlossen werden, dass diese Bären irgendwann Menschen verletzen. Sie seien gezielt und regelmäßig in die Nähe von Menschen gekommen und hätten sich dabei immer frecher verhalten. Verletzt wurde tatsächlich nie jemand. Die sieben bis acht anderen Bären zeigten gegenüber Menschen ein sehr scheues Verhalten und hielten sich Siedlungen fern.

Schäden an Nutztieren werden in der Schweiz teils sehr erfolgreich mit Elektrozäunen und Herdenschutzhunden vermieden. Das Prozedere für notwendige Entschädigungszahlungen ist überwiegend eingespielt.

Da die Trentino-Bären in den vergangenen Jahren für reichlich Nachwuchs gesorgt haben, ist mit weiteren Abwanderungen in die Schweiz zu rechnen.

Welche Schlüsse können wir ziehen?

In der Schweiz haben sich in den vergangenen 10 Jahren mehr friedlich und scheu lebende Bären aufgehalten als auffällige. Die Zahlen sind statistisch zwar noch nicht aussagekräftig, bieten aber den Hinweis auf ein Phänomen, das für andere Regionen Europas gültig ist: Europäische Braunbären haben auch außerhalb von Wildnisgebieten, in Kulturlandschaften, die von Menschen geprägt sind, ein Auskommen. Ein Zusammenleben von Bär und Mensch ist also auch in der Schweiz möglich. Durch geeignete Vorsorgemaßnahmen können Konflikte weiter minimiert werden.

Menschen, die Bären füttern, können die Ursache dafür sein, dass Bären ein Verhalten zeigen, dass später ihren Abschuss erforderlich macht. Menschen, die Bären füttern, riskieren nicht nur das Leben der Bären, sondern auch das von Menschen. Bären zu füttern, gehört deshalb drastisch bestraft.

Wenn Menschen in Bärenerwartungsregionen vorsorgen, können zukünftige Konflikte verhindert werden. Oft genügt es schon Mülleimer und Kompost bärensicher zu machen.

Im Trentino sind bärensichere Mülleimer bereits im Einsatz. Foto: Filippo Zibordi
Im Trentino sind bärensichere Mülleimer bereits im Einsatz. Foto: Filippo Zibordi

Die Menschenansammlungen wegen JJ2 am Ofenpass vor 10 Jahren sind aus Artenschutzsicht sicher nicht wünschenswert. Aber sie belegen eines: Bären üben eine große Faszination auf uns Menschen aus. Wenn wir also Bären schützen, dann tun wir es für sie - und wir tun es auch für uns.

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