Stiftung für Bären
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Donnerstag - November - 22.11.2007 - 09:20:54 Uhr
Wir mussten eingreifen!
Unsere Wölfe wurden sterilisiert
"Der Lahme" musste als erster auf den OP-Tisch.
Es gab gute Gründe, die drei Wolfsrüden „Der Lahme“ (Alpha) und die eineinhalbjährigen Jungwölfe Akela und Ais sterilisieren zu lassen.
Nein, nicht kastrieren! *
Termin: 21.11.2007.
Jungwolf Ais überraschte uns und den Tierarzt allerdings als Kryptochid. D.h., seine Hoden sind im Bauchraum verblieben. Somit wäre er nie zeugungsfähig gewesen. Ursache dafür könnte lt. Tierarzt Inzucht sein.
Keinen wölfischen Nachwuchs mehr
Was waren wir froh, dass uns die Wölfe im Frühjahr 2007 nicht wieder mit Nachwuchs überraschten.
Natürlich ist es natürlich, wenn das Wolfsrudel seiner wichtigsten Aufgabe, der Welpenaufzucht, nachgehen kann. Doch irgendwo hat die Freianlage von 40 000 m² eben seine Grenze. Wächst das Rudel, wächst die Freianlage noch lange nicht.
Und dem Rudel tät es nicht gut, wenn es stets Nachwuchs gäbe, der nicht abwandern könnte.
In freier Wildbahn wandern Jungwölfe ab, schließen sich anderen Rudeln an oder bilden selbst neue Gruppen. In der Freianlage müsste das Rudel regeln bis hin zur Tötung schwächerer Mitglieder.
Das Euthanasieren der Jungtiere wegen Platzmangels wäre keine Alternative für uns.
Mit zunehmender Rudelgröße könnten auch die Bären in Bedrängnis kommen. Dass sich die Jungwölfe vom Jahr 2006 schon besonders gern an den alten Bären testeten, haben wir berichtet. Die notwendige Folge war die Errichtung einer Bären-Seniorenresidenz.
Tante, Onkel und Verwandte
Ein weiterer Grund für unser Eingreifen: Die Tiere stammen allesamt aus einem „sehr familiären Rudel“. Da es keine Aufzeichnungen vom ehemaligen Privatbesitzer der Wölfe gibt, können wir die verwandtschaftlichen Strukturen nicht bis ins Detail nachvollziehen. Es gibt sie aber auf jeden Fall, denn seit Jahren hat kein Blutaustausch mehr stattgefunden. Die Gefahr der Inzucht bestand.
Wir nehmen den Wölfen keine Freude
Durch die Sterilisation bleibt der Geschlechtstrieb erhalten. Die Wölfe werden sich zur Paarungszeit wie gewohnt verhalten, aber eben keinen Nachwuchs bekommen.
Bei unseren Bären ist es anders
Die Bärenmänner sind kastriert. Es werden also keine Geschlechtshormone mehr ausgeschüttet. Für unsere Bären eine gute Lösung. So werden Streit um Bärendamen, folgenschwere Revierkämpfe untereinander und der Nachwuchs sowieso ausgeschlossen. Die Bärendamen sind weder sterilisiert noch kastriert. Deshalb werden sie im Frühjahr bärig und bieten sich bei den Bärenmännern naturgemäß an. Und die machen dann eben mit. Die Mädels sind zufrieden – bis zum nächsten Frühjahr.
Alles gut überstanden
Der Eingriff hat 3 Stunden gedauert – die Wölfe haben alles gut überstanden - und schröpft unser Budget um ca. 500 Euro. Für Ihre finanzielle Unterstützung wären wir Ihnen sehr dankbar.ML
* Ein bisschen Biologieunterricht zum wesentlichen Unterschied:
Nicht wenige Menschen bringen Kastration und Sterilisation durcheinander. Weibliche Tiere werden nach deren Auffassung immer sterilisiert, männliche Tiere kastriert. Stimmt so nicht. Man kann bei beiden Geschlechtern dies oder das vornehmen.
Bei der Kastration werden die Hoden (Orchiektomie) bzw. die Eierstöcke (Ovarektomie) entfernt.
Bei der Sterilisation werden Samenleiter (Vasektomie) bzw. Eileiter durchtrennt. Hoden bzw. Eierstöcke bleiben erhalten und erfüllen wenigstens noch einen Teil ihrer Aufgabe: Auch wenn Sie für die Fortpflanzung unbrauchbar werden (weil der „Transportweg“ fehlt) produzieren sie noch Hormone, und die beeinflussen das Verhalten. Für ein funktionierendes Wolfsrudel ist das wichtig, für den „Einzelgänger“ Bär in Gefangenschaft gefährlich!
Kategorie: Worbis Wölfe
Geschrieben von: Martina Lagemann (lagemann@baerenpark.de)